Studienfinanzierung
Die Qual der Wahl

Bei der Finanzierung ihres Studiums können angehende Akademiker mittlerweile zwischen verschiedenen Angeboten wählen. Trotz fehlender Sicherheiten seitens ihrer Kunden nehmen immer mehr Geldhäuser ein speziell auf diese Zielgruppe zurechtgeschnittenes Kreditprodukt in ihr Programm.

DÜSSELDORF. So hat mit der Dresdner Bank bereits das zweite große Privatinstitut nach der Deutschen Bank seit wenigen Tagen einen Bildungskredit im Programm. Zudem bieten bereits 405 Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen und Studentenwerke den Studienkredit der KfW an – Tendenz steigend. Sogar einige große Privatbanken wie die Hypo-Vereinsbank wollen ihren Kunden in Zukunft das Modell der staatseigenen Bank anbieten.

Nach anfänglichem Zögern gehen die Banken offensiv auf die attraktive Zielgruppe zu. Fast in jeder größeren Stadt stehen in den Filialen Studentenberater bereit. Zudem schalten immer mehr Kreditinstitute spezielle Internetseiten für Studenten frei und werben in Unimagazinen mit Anzeigen.

Die Deutsche Bank gibt an, dass sie in den ersten sechs Monaten bereits mehrere hundert ihrer selbst entwickelten Kredite vergeben hat. Allein in Berlin hätten zum Beispiel 260 angehende Akademiker ein Darlehen bekommen – das liegt weit über den zunächst pessimistischen Prognosen der meisten Experten. Durchschnittlich liegt das Kreditvolumen dabei bei 12 600 Euro, das im Schnitt über 41 Monate verteilt ausgezahlt wird. „Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir äußerst zufrieden“, sagt Evelyn Damiani, die den Bereich „Studenten-Banking“ betreut.

Für die Banken steht die reine Bildungsfinanzierung dabei jedoch nicht allein im Mittelpunkt. „Die Institute wollen vor allem die Studenten als potenzielle Kunden möglichst früh an sich binden“, sagt Udo Reifner vom bankenunabhängigen Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) in Hamburg, das erst kürzlich eine große Studie über Studentenkredite vorgelegt hat.

Zudem setzen einige Institute auf Zusatzgeschäfte. Der Kredit der Allianz-Tochter Dresdner Bank kann beispielsweise an ein Versicherungspaket gekoppelt werden. Die Studenten können dann gleichzeitig eine Hausratspolice abschließen, in der auch der Laptop und das Fahrrad abgedeckt sind. Darüber hinaus bietet die Bank unkomplizierte Mietbürgschaften an.

Die reinen Bildungskredite bergen für die Institute aber auch Gefahren. Da die Studenten keinerlei Sicherheiten bieten können, sind die Ausfallraten mitunter sehr hoch. Diese lagen beispielsweise in den USA zu Beginn der Bildungsfinanzierung bei über 20 Prozent.

Diese Risiken spiegeln sich in den Kreditkonditionen wider. Zwar werben die meisten Institute mit einem Zinssatz von unter sechs Prozent (siehe „Studium auf Pump“). Dieser Satz gilt teilweise jedoch nur für die Auszahlungsphase oder gibt nur einen Mindestzins an. In anderen Ländern lägen die Zinssätze deutlich unter dem deutschen Niveau, sagte Sascha Spoun, der am 1. Mai sein Amt als Präsident der Universität Lüneburg antritt dem Tagesspiegel. „Studenten sollten sich daher über die effektive Belastung genau informieren“, rät Reifner.

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