Studiengebühren
So werden Haushaltslöcher gestopft

Verbessert ein Gebäude die Lehre – oder gehört es zur Grundausstattung? Jeden Tag reizen die Universitäten ihren Spielraum, wofür sie das Geld der Studenten ausgeben können, weiter aus. Eine neue Studie belegt: Noch nie war die Campus-Maut unter Studenten so unbeliebt wie heute.
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DÜSSELDORF. Vor kurzem ist in der Uni Köln eine Lampe von der Decke gefallen und fast auf dem Laptop einer Studentin aufgeschlagen. „Der Sanierungsbedarf in Köln ist riesig“, kommentiert Rektor Axel Freimuth den Vorfall. Die Höhe wird auf insgesamt 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt. 30 Millionen Euro hat die Uni inzwischen aus Studiengebühren eingenommen. Für die Sanierung dürfen die Gelder der Studenten allerdings nicht verwendet werden. Noch nicht.

Jeden Tag reizen die Universitäten ihren Spielraum, wofür sie das Geld der Studenten ausgeben können, weiter aus: Lang geplante Baumaßnahmen werden in Angriff genommen, Professorenstellen geschaffen oder Tafeln gekauft. Was bei Einführung der Gebühren als Tabu galt, wird nach und nach zur Selbstverständlichkeit.

Die Widerstände der Studentenvertreter bröckeln, denn der Bedarf ist offensichtlich, und sie wollen mit entscheiden, was mit ihrem Geld passiert. Meistens kann sich jede Seite die Situation so auslegen, wie es ihr passt: Verbessert ein Gebäude die Lehre – oder gehört es zur Grundausstattung? Eine Klimaanlage verhindert, dass die grauen Zellen heiß laufen – kann man sie daher als Teil eines qualitativ hochwertigeren Studiums verkaufen? Wenn der Ansturm auf die Hörsäle groß ist, darf dann ein Teil der 500 Euro eines jeden Studenten für neue Stühle verwendet werden? Fragen gibt es auch zu den Lehrkräften: Sollten Professoren angestellt werden, wenn unklar ist, ob die Töpfe, aus denen sie bezahlt werden, nach der nächsten Landtagswahl noch existieren?

Hoch schlagen die Protestwellen nur bei offensichtlicher Zweckentfremdung. An der Uni Hohenheim dachte Rektor Hans-Peter Liebig laut darüber nach, vom Geld der Studierenden einen Mähdrescher für 150 000 Euro zu kaufen und eine Million Euro für die gestiegenen Stromrechnungen zu verwenden. Liebig musste sich vor dem Landtag für die Pläne rechtfertigen, die inzwischen vom Tisch sind. Die Hochschulen klagen über chronische Unterfinanzierung. Deshalb kam den Gebühren-Ländern der plötzliche Geldsegen sehr gelegen. Der Stifterverband und das Deutsche Studentenwerk (DSW) haben in einer Untersuchung zur Verwendung der Gebühren in NRW festgestellt, dass der Großteil der Mittel in die gesetzlich vorgesehenen Zwecke fließt. „Natürlich hat sich die Situation insgesamt verbessert“, sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des DSW. „Es wäre ja auch skandalös, wenn nichts passiert wäre mit dem ganzen Geld.“

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