Technik-Berufe
Bund lockt Nachwuchs mit Praktika

Die Bundesregierung wirft ein Netz nach potenziellen künftigen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern aus: Schulabgänger mit Abitur oder einer anderen Hochschulzugangsberechtigung können ab diesem Sommer im Rahmen des „Technikums“ mit staatlicher Unterstützung bis zu achtmonatige Praktika in Unternehmen und Forschungslaboren absolvieren.

BERLIN. Die Praktika werden in Unternehmen oder Forschungsorganisationen des MINT-Bereichs angeboten – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften sowie Technik.

So hoffen der Staat, die Forschungseinrichtungen und die Unternehmen, mehr Absolventen für ein entsprechendes Studium zu begeistern. Erste Teilnehmer sollen schon Anfang Juli ein Praktikum starten können, heißt es im Haus von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU).

„Mit dem ,Technikum’ geben wir jungen Menschen die Möglichkeit, nach ihrem Schulabschluss praktische Erfahrungen in einem naturwissenschaftlich-technischen Unternehmen oder einer Forschungseinrichtung zu sammeln. Damit möchten wir ihnen helfen, sich für ein Studium im MINT-Bereich zu entscheiden“, sagte der parlamentarische Staatssekretär im Ministerium, Andreas Storm, zum Start des „Technikums“.

Hintergrund ist vor allem der Mangel an Nachwuchs in diesen Bereichen und die Sorge, dass angesichts sinkender Schülerzahlen das Problem in den kommenden Jahren eher noch größer wird. Nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) konnten zuletzt im April dieses Jahres 64 000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. Zieht man davon die 25 000 arbeitslosen Ingenieure ab, bleibt selbst in der Wirtschaftskrise eine Lücke von rund 40 000 Ingenieuren. Besonders gefragt sind nach wie vor Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure, deren Anteil 40 Prozent aller offenen Stellen ausmacht, teilte der VDI mit.

In den kommenden fünf Jahren muss jedes fünfte Unternehmen Ingenieure ersetzen, die altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ergab eine neue Studie von VDI und dem Institut der Deutschen Wirtschaft. Die Besetzung neuer Ingenieurstellen drohe jedoch zu scheitern, da die Zahl der Ingenieurabsolventen maximal ausreiche, um den Ersatzbedarf zu decken.

Zwar ist in den vergangenen Jahren sowohl die Zahl der Studienberechtigten als auch die der Studienanfänger gestiegen. Die MINT-Fächer haben davon aber weniger profitiert als andere Fächergruppen.

Das „Technikum“ soll nun helfen, die Lücke zu schließen. Vorbild für das neue Förderprogramm sind das ebenfalls von der Bundesregierung seit Jahren geförderte „freiwillige soziale Jahr“ und das „freiwillige ökologische Jahr“. Diese haben sich zu echten Rennern entwickelt: Im Förderjahr 2008/09 wurden in den beiden Freiwilligendiensten FÖJ und FSJ 24 300 Plätze finanziert – Tendenz stetig steigend.

Ähnliches soll nun für den MINT-Bereich das „Technikum“ schaffen. Schulabgänger mit Hochschulreife können sich unter auf der Website anmelden. Zu Beginn des Praktikums gibt es einwöchige Einführungsveranstaltungen, später dann Seminare zu MINT-Themen.

Noch ist nicht absehbar ist, wie viele Unternehmen Plätze anbieten werden. Die Servicestelle des „Technikums“ beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat soeben mit der Werbung bei den Verbänden begonnen. Die beteiligten Unternehmen sollen dann jeweils mit einer regionalen Hochschule kooperieren.

Der Bund zahlt für Praktikanten monatlich 350 Euro; die Unternehmen müssen zusätzlich nur die Versicherung übernehmen. Insgesamt stehen für das Projekt fürs Erste jährlich vier Mio. Euro bereit. Damit könnten rund 11 000 Plätze finanziert werden. Das Programm ist zunächst begrenzt bis zum Jahr 2011.

Das Bundesbildungsministerium erhofft sich von der neuen Praktikantenförderung vor allem, dass auf diesem Weg auch junge Frauen angesprochen werden. Diese sind bisher in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen trotz hervorragender schulischer Qualifikationen noch stark unterrepräsentiert.

So begannen im Wintersemester 2008/09 zwar fast 69 000 Bewerber ein Ingenieurstudium – das waren immerhin elf Prozent mehr als im Herbst zuvor. Darunter waren allerdings nur gut 15 000 Frauen, also gerade mal ein Fünftel.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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