Technik und Naturwissenschaften
Zahl der Unternehmens-Initiativen zur Frühförderung wächst rasant

Eine eigene Küche, ein großzügiges Außengelände, musikalische Frühförderung – die Wunschliste von Eltern bei der Suche nach dem passenden Kindergarten ist lang. Vor allem Technik und Naturwissenschaften haben in den vergangenen Jahren einen regelrechten Siegeszug in Kindergärten angetreten.

DÜSSELDORF. Seit einiger Zeit können die Einrichtungen mit zusätzlichen Attributen punkten: Zum Beispiel mit dem Zertifikat „technikfreundlicher Kindergarten“ oder der Mitgliedschaft im „Haus der kleinen Forscher“.

Technik und Naturwissenschaften haben einen regelrechten Siegeszug in Kindergärten angetreten. „In den meisten Bildungs- und Erziehungsplänen sind die Themen inzwischen fest verankert“, weiß Dagmar Winterhalter-Salvatore vom Institut für Frühpädagogik in München. Auch das Angebot an Materialien, wie Handbücher oder Experimentierkisten, sei in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Der Forscherdrang im Kindesalter soll von den Pädagogen aufgegriffen und – möglichst fächerübergreifend – gefördert werden. In Experimenten untersuchen die kleinen Forscher, was sie brennend interessiert: Wo kommt die Luft her? Wie entsteht Nebel?

„Zwischen drei und sechs Jahren öffnen sich Kinder sehr stark und wollen viel lernen. Berührungsängste zu Naturwissenschaften gibt es noch nicht“, sagt Winterhalter-Salvatore. Ziel sei daher, auf kindgerechte Weise einen emotionalen Bezug zu Physik oder Chemie herzustellen. Politik und Wirtschaft engagieren sich gleichermaßen dafür, die Themen dauerhaft im Kindergarten-Alltag zu verankern. Neben dem bildungspolitischen Aspekt ist es bei den Unternehmen vor allem die Sorge um den Fachkräftenachwuchs, der sie aktiv werden ließ. „Werden bereits früh die Fundamente gelegt, besteht die Chance, dass das Interesse bis zur Berufswahl bestehen bleibt“, sagt Winterhalter-Salvatore.

So unterstützen Siemens, die Unternehmensberatung McKinsey und die Stiftung des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp etwa das „Haus der kleinen Forscher“, eine Initiative des Bundesbildungsministeriums. Ziel dieser Einrichtungen ist die Schulung der Erzieher, die sich oft wegen eigener Vorbehalte nicht an Naturwissenschaften herantrauen. Die Fortbildung ist auch einer der Schwerpunkte der unabhängigen Bildungseinrichtung „Science Lab“, die von Förderern wie Siemens, der Wacker Chemie, dem Metallunternehmen Umicore oder der Regierung Mecklenburg-Vorpommern unterstützt wird. „Wir zeigen den Erziehern, wie sie die Kinder anleiten können, selbst Fragen auf ihre Antworten zu finden“, sagt Mitbegründerin Sonja Stuchtey. Für die Teilnehmer oft ein Aha-Effekt: „Wenn mir selbst jemand Physik und Chemie so erklärt hätte, hätte ich das auch verstanden“, sei meist die Reaktion.

In Baden-Württemberg hat der Arbeitgeberverband Südwestmetall in Kooperation mit der Landesregierung „Technolino“ ins Leben gerufen. Insgesamt 150 Kindergärten haben bislang an dem Projekt teilgenommen. Schulungen und Beratung beim Umsetzen der Orientierungspläne oder dem Einrichten von interaktiven Forscherecken sind Teil des Angebots. Außerdem sind Bildungspartnerschaften zwischen Kindergärten und Unternehmen entstanden. „Die Kinder machen Exkursionen in die Betriebe oder gemeinsame Experimente und Technikprojekte mit den Azubis“, sagt Karin Nagel von der BBQ Berufliche Bildung GmbH, die das Projekt koordiniert. So haben etwa EADS-Mitarbeiter Heißluftballons mit den kleinen Forschern gebaut und bei Heidelberger Druck durften die Kinder helfen, Plastikmännchen zu gießen.

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