„Tendenz zur Arglist“
Falsche Adresse bewahrt nicht vor Kündigung

Geht ein Kündigungsschreiben zunächst an eine falsche Adresse und trifft deshalb nicht mehr fristgerecht ein, bewahrt das den Betroffenen noch lange nicht vor der Entlassung.

HB MÜNCHEN. Darauf macht das bayerische Arbeitsministerium in München aufmerksam und beruft sich auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Der Empfänger kann sich demnach nicht auf eine verspätete Zustellung berufen, wenn er die Zeitverzögerung selbst verschuldet hat.

Wer also seinem Arbeitgeber bewusst eine falsche Adresse angibt, um eine Kündigung im letzten Moment noch abzuwenden, ist alles andere als fein raus. Er muss sich den Angaben zufolge vielmehr so behandeln lassen, als habe ihn die Kündigung beim ersten Zustellversuch erreicht.

Im konkreten Fall hatte der Chef seinem Mitarbeiter noch innerhalb der ersten sechs Monate der Beschäftigung kündigen wollen. Weil der Arbeitnehmer von der geplanten Entlassung erfahren hatte, gab er dem Chef die Anschrift einer Wohnung, aus der er schon länger ausgezogen war. Das Schreiben konnte damit nicht fristgerecht zugestellt werden. Doch die Entlassung wurde wirksam. Der Mitarbeiter habe den Zugang "mit Tendenz zur Arglist" verhindert, heißt es.

Aktenzeichen:
Bundesarbeitsgericht 2 AZR 366/04

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