Tips für Geschäftsreisende
Das argentinische Ego kraulen

Die Argentinier lieben ihr Land und sich selbst sehr. Wer nach Buenos Aires reist und Sympathien gewinnen will, sollte sich daher mit Kritik zurückhalten und Lobenswertes finden. Fußball zieht immer. Und Maradona sowieso.

BUENOS AIRES. Jedes Land hat seine sensiblen Saiten, seine Komplexe, die man möglichst nicht oder nur in speziellen Zusammenhängen anrühren sollte. Wer im Gespräch mit Geschäftspartnern oder überhaupt mit Einheimischen ein bisschen lockere Stimmung erzeugen will, sollte diese Komplexe kennen. Und natürlich auch die Lieblingsthemen.

Die Bewohner von Entwicklungsländern haben oftmals gewisse Komplexe wegen ihrer relativen Armut und Unterentwicklung. Ihr nationales Selbstbewusstsein speist sich aus anderen Dingen. Das kann etwa Fußball sein. Oder berühmte Persönlichkeiten. Oder auch eine glorreiche Vergangenheit. Oder alles zusammen, wie im Fall Argentinien.

Den Argentiniern tut es besonders gut, wenn man über solche positiven Aspekte spricht und somit ihr Ego krault. Denn insgeheim halten sich viele von ihnen für die Besten überhaupt.

Insbesondere die Bewohner der Hauptstadt Buenos Aires sind berühmt-berüchtigt für ihr großes Selbstbewusstsein. Und das zu Recht. Nirgendwo sonst in Südamerika klafft zwischen der globalen Wichtigkeit und dem Entwicklungstand einerseits sowie dem generellen Selbstbewußtsein der Bevölkerung andererseits eine größere Lücke als in Buenos Aires. Es gibt viele Witze darüber, die auch Argentinier gern erzählen. Ein Witz geht so: Was ist das beste Geschäft der Welt? Ganz einfach, man muss einen Argentinier zu dem Preis kaufen, den er wert ist und ihn dann zu dem Preis wieder verkaufen, den er selbst meint wert zu sein. Ein weiterer Witz lautet: Was ist die häufigste Todesursache in Buenos Aires? Das jemand sich von seinem Ego runtergestürzt hat.

Die Argentinier können gut über sich lachen, sie haben einen Sinn für Ironie. Sie hassen aber nichts mehr als wenn man auf sie herabschaut. Wer Scherze erzählen will, sollte sich vorsichtshalber auf andere Nationen oder auf Nationalitäten-neutrale Themen beschränken. Witze über die Nordamerikaner, gern auch beißende, kommen immer gut an. Das gleiche gilt für Chile. Oder natürlich für die Engländer.

Was die Engländer angeht, so sollten europäische Besucher besondere Vorsicht walten lassen. Der Konflikt um die Falkland-Inseln, der Anfang der 80er Jahre zu einem Krieg zwischen England und Argentinien führte, ist sehr präsent in Argentinien. Wenn sich das Thema absolut nicht umgehen läßt, sollte man das Wort "Falkland" auf jeden Fall vermeiden und stattdessen die argentinische Bezeichnung "Malvinas" benutzen.

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