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Tränen im Job

Sentimentale Tränen können ihren Charme haben und andere Menschen vereinnahmen. Politiker wissen um dieses Sympathiemittel und lassen es deshalb schon mal erkennen, wenn ihnen Tränen in die Augen steigen. Doch bei Tränen im Job ist es etwas anderes, auch bei Frauen. Nach der Etikette haben aber alle extremen emotionalen Ausbrüche wie lautes Lachen, kreischende Stimmen und Weinen nichts im Berufs- und auch nicht im Gesellschaftsleben verloren.

Soweit der Grundsatz. Doch dann gibt es Situationen, die Kollegen und Vorgesetzte zweifeln lassen. Etwa wenn eine Kollegin oder ein Kollege verheult aussehen und ganz offensichtlich etwas Schlimmes geschehen sein muss.

Der Grund kann ein gerade geschehener Autounfall des Ehepartners sein, eine Todesnachricht aus der Familie oder Wuttränen über eine soeben erfahrene Nichtbeförderung. Muss man es übersehen aus Taktgefühl? Darf man fragen? Oder muss man es sogar, um nicht als kaltherzig zu gelten? Fragen sollte ein Mann einen Mann, eine Frau eine Frau auf jeden Fall - aber immer unter vier Augen. Nie vor anderen Kollegen oder beim obersten Chef. Dort ist immer professionelle Distanz angesagt. Der Vorgesetzte selbst sollte auf alle Fälle einen Satz dazu sagen - aber später erst. Ganz wichtig ist: Wer jemand anderen beim Weinen sieht, darf das nicht im Unternehmen herumerzählen.

Heikel ist es jedenfalls, wenn ein Kollege oder eine Kollegin übermannt werden und vor versammelter Mannschaft ein Tränenausbruch geschieht. Unangebracht sind Kommentare wie "Ach, muss der aus allem eine Schau machen!" Entweder man reagiert gar nicht - oder dezent. Jetzt ist zuerst der nächststehende Kollege gefragt. Es ist an ihm, den Weinenden aus dem Raum zu führen und ihm beizustehen. Denn niemand möchte in so einem Moment auch noch Gegenstand soziologischer Betrachtung werden. Auch dieser nächste Kollege sollte aber rasch herausfinden, ob der Weinende nicht lieber alleine sein möchte. Am besten mit den Worten: "Möchten Sie alleine sein, oder darf ich bleiben?" Auf gar keinen Fall darf der Betroffene in Erklärungszwang gebracht werden. Einmal nachfragen ist erlaubt, aber insistieren und bedrängen nie. Die Etiketteregel heißt: Ratschläge gibt man nicht ungefragt. Ratschläge sind auch Schläge.

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