Trainer raten zu mehr Achtsamkeit und Theaterengagement
Im Hintertreffen

Manager sind steif, konfliktscheu, treten wie Zahlenhuber auf und legen Vorstandsgehabe an den Tag. Jedenfalls gegenüber der Öffentlichkeit. Geht es um die Medientauglichkeit und insbesondere um Auseinandersetzungen zwischen Managern und Politikern, haben letztere stets die besseren Karten.

Lothar Rolke, Professor für Unternehmenskommunikation in Mainz, urteilt: „Politiker gelten dagegen als unterhaltsam und sympathisch. Sie sind bürgernäher.“ Die Folge: „In Talkshows gelingt Politikern durch ein emotional intelligentes Argument der Knock-out oft schon in der ersten Runde“, beobachtet Rolke.

Ein typischer Fehler: Auf eine persönliche, herzergreifende Geschichte mit politischer Botschaft reagiert der Wirtschaftslenker mit Fakten- und Aktenwissen. „Wer so dagegen hält, hat schon verloren“, urteilt Rolke. Wenn etwa Gerhard Schröder keinen Hehl aus seinem Scheitern bei seiner ersten Kanzlerkandidatur, seinen verschiedenen Ehen und seiner Herkunft aus eher einfachen Verhältnissen mache, dann sei das geschickter, als etwaige Schwächen zu dementieren oder nichts über sich preiszugeben.

„Dabei hat ein Vorstandsvorsitzender Leuchtturmfunktion. Mitarbeiter und die Öffentlichkeit blicken auf ihn“, sagt Rolke. Es ist nicht verkehrt, auch Erfahrungen des Scheiterns, und wie es gemeistert wurde, zum Thema zu machen. Das Glatte interessiert die Öffentlichkeit wenig. Rolkes Rat: Unternehmenslenker sollten nicht die eigene Persönlichkeit hinter der Rolle des Entscheiders und Machers verstecken, denn arrogantes und rationales Verhalten verschreckt.

„Rationalität ist im Fernsehen nicht kriegsentscheidend. Eine gute Kommunikation hat beide Hirnhälften im Visier, was Politiker nur zu gut wissen“, sagt Ulrich Ott, Pressesprecher der DiBa in Frankfurt. Er nennt als Beispiel für klassische Fehlkommunikation das Auftreten des MLP-Chefs Bernhard Termühlen, des Finanzdienstleisters aus Heidelberg. Er scheidet jetzt aus der Unternehmensspitze aus. „Pressekonferenzen bestritt Termühlen mit Wirtschaftsprüfern an seiner Seite, um die Vorwürfe wegen Unregelmäßigkeiten bei der Rechnungslegung zu entkräften. Nur wollen Journalisten keine Testate, sondern Glaubwürdigkeit und klare Botschaften.“ Kein Wunder, dass er in den Medien als „öffentlichkeitsscheuer Analytiker und Zahlenmensch“ beschrieben wird, über den man im Grunde nichts weiß.

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