Trends, Chancen, neue Berufe
Jobs der Zukunft

Die Deutschen vergreisen, die Bevölkerung schrumpft. Mega-Trends wie Alterung, das Entstehen einer Wissenselite und Internationalisierung werden Alltag und Arbeitswelt auf den Kopf stellen.
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Am Frühstückstisch eine Videokonferenz mit Projektpartnern aus Japan und Südafrika. Dann für einige Stunden ins Brain-Center, um im 3-D-Simulator an neuen Produkten zu tüfteln. Nachmittags ein Dozenten-Job: Weiterbildungskurse speziell für Mitarbeiter über 50. Gegen 19 Uhr ist Feierabend, Sport und ein bisschen Wellness nach der Arbeit müssen sein. Schließlich will jeder fit bleiben, denn vor dem 70. Geburtstag ist an Rente nicht zu denken. Abends lächeln einem beim Zappen durch die Kanäle die eigenen Eltern an ­ als Werbespot-Models.

Zweite Karriere mit grauen Haaren. So wird spätestens 2015 ein ganz normaler Arbeitstag aussehen. Hauptauslöser für die Veränderungen der kommenden Jahrzehnte: Deutschland vergreist, gleichzeitig schrumpft die Bevölkerung. Demografischen Wandel nennen das die Experten. "Dieses Phänomen wird unsere Arbeitswelt revolutionieren", sagt Harald Schartau, NRW-Wirtschaftsminister und Mitgründer der Initiative zum demografischen Wandel. "Was da auf uns zukommt, wird völlig unterschätzt."

Operative Hektik herrscht bereits im Bundeskanzleramt. Arbeitslosengeld runter, Rentenalter hoch ­ jede Woche wird eine neue Reform-Sau durchs Regierungsviertel gejagt. Aus gutem Grund: Bis 2010 sind bereits 58 Prozent der Deutschen über 40 Jahre alt; 20 Jahre später ist jeder Dritte älter als 60. Dann hält Deutschland den Rekord der ältesten Bevölkerung der Welt, weiß das Statistische Bundesamt schon heute.

Keine Lust auf Nachwuchs

Ursache für die neue Arbeitswelt von morgen sind die niedrigen Geburtenraten heute. Seit Jahren werden weniger Kinder geboren, als zum Erhalt der Bevölkerungszahl notwendig wären. Damit Deutschland nicht ausstirbt, müsste jede Frau im Schnitt mindestens zwei Kinder bekommen; derzeit liegt die Geburtenrate in Westdeutschland gerade bei 1,4, im Osten sogar nur bei 1,2.

Zum Vergleich: In den USA bringt jede Frau durchschnittlich mehr als zwei Kinder zur Welt, in Frankreich liegt die Geburtenquote bei 1,86 und in den skandinavischen Ländern bei knapp 1,8. Kein Vorbild für Bundesbürger: Umfragen zufolge will jeder fünfte Deutsche für Karriere und Selbstverwirklichung auf Nachwuchs verzichten.

Arbeit satt, Rente matt

Zweiter Trend: Den Jungen stehen immer mehr Alte gegenüber. Die Lebenserwartung steigt stetig an ­ bis 2030 schätzungsweise um weitere vier Jahre. Männer werden dann im Schnitt 82 Jahre alt, Frauen sogar knapp 87. Da der Nachwuchs fehlt, schrumpft gleichzeitig die Bevölkerung: Von heute 82 Millionen auf 58 Millionen im Jahr 2050, wenn keine Einwanderer kommen. So die Berechnungen von Professor Herwig Birg, Direktor des Instituts für Bevölkerungsforschung an der Uni Bielefeld. Ostdeutschland, Hessen und Rheinland-Pfalz wären dann komplett menschenleer ­ statistisch gesehen.

Faktisch geht vor allem die Zahl der Arbeitskräfte nach 2010 deutlich zurück. Gut für die Arbeitslosen, schlecht fürs Rentensystem. Während heute auf 100 Menschen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren noch 43 Rentner kommen, steht spätestens 2050 einem Erwerbstätigen ein Rentner gegenüber. Damit ist die aktuelle Rentenversicherung nach dem Umlageverfahren praktisch tot.

Zuwanderung kann diese Problematik zwar abmildern, aber nicht lösen: Um das Verhältnis zwischen Erwerbsfähigen und Rentnern bis zum Jahr 2050 auf dem heutigen Niveau zu halten, müssten nach einer Studie der Vereinten Nationen jedes Jahr gut 3,4 Millionen Menschen einwandern ­ derzeit kommen jährlich gerade mal 167.000 Ausländer nach Deutschland.

Ein Strauss neuer Trends

Fest steht: Das Leben wird spannender, denn der Wandel löst gleich eine Hand voll Mega-Trends aus: Älter werden ist kein Makel mehr, es entwickelt sich eine Grey Economy. Unsere Lebensläufe werden bunter, das Arbeiten flexibler. Wissen macht uns zu begehrten und umworbenen Fachkräften, die international agieren. Und technische Neuerungen erleichtern unseren Alltag. Branchen wie Gesundheit und Bildung, Biotechnologie und Robotik, Sicherheit und Beratung boomen. Völlig neue Berufsbilder entstehen. Wer heute die Weichen richtig stellt, kann morgen profitieren.

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