Trotz aller Proteste sind Abgaben kein Tabuthema mehr
Studenten akzeptieren Gebühren – wenn die Qualität stimmt

Studiengebühren werden zumindest in einigen Bundesländern kommen. Das ist seit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von Ende Januar klar. Klar ist auch, dass viele Studenten weiterhin gegen die zusätzlichen Kosten demonstrieren werden. Dabei zeigt sich immer wieder: Wenn die Qualität der Hochschule stimmt, schmilzt der Wiederstand.

HB DÜSSELDORF.So hat eine aktuelle Umfrage unter den Bewerbern, Studenten und Ehemaligen an der staatlichen European School of Business der Hochschule Reutlingen ergeben, dass die Mehrheit der Befragten bereit ist, bis zu 10 000 Euro für das anderthalbjährige Studienprogramm zu berappen. Falls zur Finanzierung entsprechende Kreditangebote bereit stünden, halte sogar keiner der 250 Befragten ein gebührenfreies Studium für angemessen, heißt es in der Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Derartige Ergebnisse werden mit großer Aufmerksamkeit wahrgenommen, seitdem das Bundesverfassungsgericht die Einführung von Studiengebühren erlaubt hat. Dem Karlsruher Urteil zufolge verletzt das bundesweite Gebührenverbot das Gesetzgebungsrecht der Länder und ist damit nichtig.

Drei der sechs Klägerländer – Baden-Württemberg, Bayern und Hamburg – sowie Niedersachen haben bereits angekündigt, möglichst bald Abgaben bereits für das Erststudium einzuführen. Diese sollen meistens bei rund 500 Euro je Halbjahr liegen.

Natürlich sind die Ergebnisse der Umfrage an der European School of Business nicht auf alle Studenten übertragbar. Immerhin wurden Bewerber, Studenten und Absolventen eines MBA-Programms befragt, für das bereits einige Jahre Berufserfahrung und ein Erststudium vorausgesetzt werden. Der finanzielle Spielraum der Befragten ist daher mit dem der meist jüngeren Erstsemester an staatlichen Hochschulen kaum vergleichbar.

Aber auch diese Studenten lehnen Gebühren längst nicht mehr gänzlich ab. „Die Studenten sind durchaus bereit zu zahlen, solange die Gebühren moderat ausfallen und der Lehre zu Gute kommen“, sagt David Schmutzler, Vorstand von der Münchner Career Concept, die sich auf so genannte Bildungsfonds spezialisiert hat. „Wenn die Qualität der Hochschule stimmt, sind Gebühren längst kein Tabu-Thema mehr“, bestätigt Daniel Simonovich, Professor und Dekan der European School of Business, an der neben den 130 MBA-Studenten jedes Jahr auch 200 Diplomstudenten aufgenommen werden.

Und dieser Trend lässt sich auch mit Zahlen belegen: Bereits vor rund einem Jahr haben sich bei einer exklusiven Handelsblatt-Umfrage mehr als zwei Drittel der 1 002 befragten Studenten für die Einführung von Studiengebühren ausgesprochen. Dabei konnten sich sogar 40 Prozent der Befragten schon Gebühren für das Erststudium vorstellen – zumindest nach Ablauf der Regelstudienzeit. Fast acht Prozent sprachen sich für Abgaben ab dem ersten Semester aus. Weitere 30 Prozent sagten, die Abgaben sollten erst für das Zweitstudium erhoben werden. Noch drei Jahre zuvor hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft eine grundsätzliche Bereitschaft zu Studiengebühren bei nur 37 Prozent der Studenten ermittelt.

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