Trotz steigender Transparenz: Die Angaben der meisten Dax-Konzerne sind weiterhin mangelhaft
Managergehälter eilen Gewinnen voraus

Für die Vorstände der führenden Konzerne im Deutschen Aktienindex (Dax) war das Geschäftsjahr 2004 überaus erfreulich. Ihre Gehälter legten viel stärker zu, als der ohnehin kräftige Gewinnschub der Unternehmen rechtfertigt.

DÜSSELDORF. Während das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Schnitt der 24 Dax-Industrieunternehmen um knapp 16 Prozent stieg, wuchsen die Gehälter der Vorstände um durchschnittlich 25 Prozent. Das ergaben Berechnungen des Handelsblatts.

Zehn Vorstandsvorsitzende, deren Bezüge mit dem Vorjahr vergleichbar waren, buchten sogar ein Gehaltsplus von im Schnitt einem Drittel. Harry Roels (RWE) und Ekkehard Schulz (Thyssen-Krupp) brachten es auf Zuschläge von mehr als 60 Prozent. Warum aber wirtschaftliche Erfolgskennziffern und die Börsenkursentwicklung der Unternehmensaktien oftmals so wenig in Einklang zu bringen sind mit der Gehaltsentwicklung, lässt sich bei den meisten Dax-Firmen nicht klären. Dazu reichen die Angaben im Geschäftsbericht nicht aus.

Bis auf neun Dax-Gesellschaften (einschließlich Münchener Rück) haben sich inzwischen alle entschlossen, die Gehälter ihrer Manager individuell offen zu legen. Einige wie VW oder MAN zunächst nur für den Vorstandschef. Bislang ist die vollständige Transparenz freiwillig und nur im Corporate-Governance-Kodex der Wirtschaft verankert. Die rot-grüne Bundesregierung will die Verweigerer ab 2005 zur Transparenz zwingen. Nach dem gerade vorgelegten Gesetzentwurf sollen die Unternehmen jedoch nur das individuell ausweisen, was bislang im Handelsgesetzbuch für den Gesamtvorstand verlangt wird.

Für Kienbaum-Geschäftsführer Alexander Preen ist der politische Streit um die Angemessenheit von Vorstandsbezügen nicht entscheidend. Die Vergütung der Dax-Vorstände habe sich nur dem internationalen Niveau „weitgehend angenähert“. Kritik übt von Preen aber an der weiterhin mangelhaften Transparenz, vor allem beim variablen Gehalt: „Da wünsche ich mir noch deutlich mehr Informationen.“ Der Aktionär erfahre zwar die Höhe der flexiblen Bezüge. „Entscheidend ist aber deren Qualität“, sagt der Berater. Denn die variable Vergütung spiegele den eigentlichen wirtschaftlichen Erfolg. Und erst die Transparenz bei den Details zeige, ob die „variablen Vergütungen mit dem Geschäftserfolg atmen“. Von Preen verweist auf das Beispiel Großbritannien, wo börsennotierte Firmen in allen Einzelheiten die Bezüge ihrer Manager veröffentlichen. In deutschen Geschäftsberichten finden sich meist nur kurze Absätze zum Thema. Deshalb sei oft nicht nachvollziehbar, ob und in welchem Umfang die Bezüge nach Geschäftslage steigen oder sinken.

Lesen Sie in der Tabelle der Vorstandgehälter, was die Chefs von Adidas-Salomon bis Volkswagen verdienen. Weiter ...

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