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Ingenieure mit Laptop und Colt

Er weiß nicht, wann der Anruf kommt. Fest steht aber, dass Joachim Lammers, der als Ingenieur auf Klima- und Kältetechnik spezialisiert ist, nicht lange in seinem Haus im Hamburger Stadtteil Hummelsbüttel warten wird.

Gerade war er für ein britisches Unternehmen anderthalb Jahre in Japan, um die Klimaanlagen von Passagierdampfern zu warten. Zuvor hat er in Indonesien die Belüftung von Kriegsschiffen repariert. „Leute wie ich werden immer gesucht“, weiß der 58-Jährige.

Lammers gehört zu einem kleinen Kreis von Experten, die neben fachlichem Spitzenwissen auch Management-Know-how und vor allem sehr viel Auslandserfahrung haben. Experten wie ihn finden Unternehmen zum Beispiel in einer Datenbank der SGS Gruppe, die vor allem Prüfungs- und Überwachungsdienste bietet. Zu finden sind hier Ingenieure, Techniker, Projektmanager und Geschäftsführer auf Zeit.

Mal geht es darum, nach einer Überschwemmung in China millionenschwere Versicherungsschäden zu schätzen. Dann wieder fehlt in einem globalen Konzern der richtige Mann, um ein Projekt im indonesischen Dschungel zu retten, bevor es schief geht. Oder jemand muss bei der Endabnahme eines Luxusliners oder einer Ölraffinerie sicherstellen, dass die Subunternehmen in einem anderen Erdteil die mehrere Millionen Euro teure Technik richtig montiert haben.

Mit ihrem Angebot, erfahrene Fach- und Führungsleute vorübergehend für technologisch anspruchsvolle Millionenprojekte zu vermitteln, bewegt sich SGS in einem Markt, auf den sich auch Technologiedienstleister wie Brunel aus Bremen – mit 1000 Ingenieuren – und die Ferchau Engeneering aus Gummersbach – mit 2300 Fachleuten – spezialisiert haben. Personaldienstleister wie die Düsseldorfer DIS AG konzentrieren sich auch auf dieses Geschäft. 1100 Mitarbeiter arbeiten etwa bei der DIS-Tochter Euro Engineering.

Das Geschäft mit den gemieteten Experten brummt. Die Branche wächst jährlich zwischen 15 und 20 Prozent, heißt es bei Brunel. Die Bremer verleihen – im Gegensatz zu dem Freiberuflerpool von SGS – vor allem fest angestellte Experten aus dem eigenen Unternehmen: Deren Zahl wuchs im vergangenen Jahr um 27 Prozent. Zu den Kunden gehören Technologiekonzerne wie Siemens, ABB, Alstom und Bombardier, aber auch das Touristikunternehmen Tui. Sogar der Transrapid in Schanghai entstand mit Hilfe gemieteter Fachleute. Brunel–Projektingenieur Sven Schulze unterstützte auch Siemens Transportation Systems als Qualitätstester für die Computer der Betriebsleittechnik der Magnetschwebebahn. Die SGS-Mietexperten arbeiten etwa für den Flugzeugbauer Airbus. Der suchte kurzfristig sogar ganze Teams.

Besonders gefragt sind Projektleiter und Ingenieure, die sich auf die Qualitätssicherung verstehen. Auch Software-Experten, die die Steuerung großer Produktionsanlagen erneuern können, sind begehrt – sogar in Hanoi. Eine Bonbonfabrik führte den Automatisierungsspezialisten Michael Dreyer hierher. Weil in Vietnam heute der Konsum groß geschrieben wird, explodierte die Nachfrage nach Bonbons regelrecht. Dafür baute Dreyer die Produktionsanlagen einer Fabrik aus. Zwei Wochen lang modifizierte der Brunel-Spezialist deshalb die Steuersoftware – und übergab dann wieder die Verantwortung an das lokale Management. Dreyer: „Die laufende Produktionssteuerung vor Ort liegt jetzt wieder in dessen Hand.“

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