Umfrage
Unis und Firmen bauen Berührungsängste ab

Studie des Stifterverbandes: Viele Hochschulen sind aber noch nicht fit für die Kooperation mit Unternehmen. Vor allem Wagniskapital fehlt.

HB BERLIN. In Deutschland werden immer weniger forschungsintensive Firmen gegründet: Ihre Zahl ist in den letzten zehn Jahren um ein Drittel auf 2 400 im Jahr 2005 zurückgegangen. Im internationalen Vergleich liege die deutsche Innovationskraft damit nur im Mittelfeld, sagte der Generalsekretär des Stifterverbandes, Andreas Schlüter, am Dienstag bei der Vorstellung der Studie „Innovationsfaktor Kooperation“. „Der Schlüssel zur Umkehr liegt in einer engeren Zusammenarbeit von Unternehmen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen.“ Für die Studie hat der Verband rund 200 Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen befragt.

Die gute Nachricht ist, dass Unternehmen und Hochschulen nicht mehr nur sporadisch zusammenarbeiten, sondern zunehmend dauerhafte Partnerschaften gründen. Das Volumen der Auftragsforschung hat sich in zwölf Jahren auf 1,32 Mrd. Euro (2003) mehr als verdoppelt. „Das ist aber noch lange nicht genug“, warnte der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleiner. „Die Hochschulen sind auf Kooperation und Erkenntnistransfer noch nicht gut genug eingerichtet“. Um die nötigen Anreize zu setzen, forderte der Präsident von Acatech, der künftigen Akademie der Technikwissenschaften, und BMW-Aufsichtsratschef Joachim Milberg, „ein neues Gesamtkonzept“ von der Politik – „über kleinteilige Förderprogramme und den Hightech-Gründerfonds hinaus“.

Um aus Forschungsergebnissen schneller marktreife Produkte zu machen, reiche es nicht aus, überall Technologietransferstellen einzurichten, kritisierte Kleiner. Diese seien oft mit nicht ausreichend qualifiziertem Personal besetzt. Zudem sei eine Partnerschaft mit der Wirtschaft „nur dann optimal, wenn sie in eine Gesamtstrategie der Hochschule eingebettet ist“, so Schlüter. In vielen Unis herrscht bei der Zusammenarbeit mit Unternehmen Unsicherheit und Angst vor Abhängigkeit. Hier will der Stifterverband nun mit Musterverträgen Abhilfe schaffen. Auch der Staat müsse den Wissenstransfer gezielt unterstützen, forderte Schlüter. Vorbild sei etwaGroßbritannien, wo die Hochschulen rund ein Fünftel ihrer Budgets explizit dafür einsetzten, den Transfer in die Wirtschaft zu organisieren.

Doch auch in Deutschland fand der Stifterverband diverse Beispiele, wie es gehen kann: So fasst etwa die „TU Dresden Aktiengesellschaft“ (Tudag) zehn Unternehmen zusammen, die von Professoren der TU geführt werden. Darüber hinaus hilft sie Nachwuchswissenschaftlern bei Start-ups.

Dreh- und Angelpunkt für Innovationen sei mehr Wagniskapital, sagte Milberg. In Deutschland machten diese risikoreichen Investitionen 2004 nur 0,4 Prozent der Wirtschaftsleistung aus, in den USA 1,25 Prozent und in Großbritannien gar gut zwei Prozent. Frankreich fördere forschungsintensive Existenzgründer vor allem in der Frühphase vorbildlich. Der Bundesfinanzminister will bis zum Sommer neue gesetzliche Regeln für Wagniskapital vorlegen. Daneben regen die Autoren der Studie eine steuerliche Förderung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben an.

Damit Stifter dauerhaft Lehrstühle an Hochschulen finanzieren, müsste das Stiftungsrecht stärker ausgedehnt werden als geplant, so Schlüter. Denn nur dann könnte ein Stifter genug Kapital spenden, um aus den Erträgen eine Professur zu bezahlen. Die Finanzierung der rund 500 existierenden Stiftungslehrstühle endet heute in der Regel nach fünf Jahren, dann muss die Hochschule sie weiterführen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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