Uni Augsburg untersucht Verhalten bei der Geldanlage
Warum Beamte das Risiko scheuen

Auch an der Börse sind die Menschen nicht gleich. Der eine sucht das Risiko und den Nervenkitzel, der andere Wege, um möglichst sorgenfrei fürs Alter vorzusorgen. Anlageberater haben es daher häufig schwer, in nur kurzen Gesprächen die passende Investitionsstrategie für jeden ihrer Kunden zu entwickeln. Als „suboptimale Situation“ bezeichnen das die Forscher der Universität Augsburg und wollen die Lücke mit einem neuen Computer-Programm schließen.

HB DÜSSELDORF. „Bisher werden die Kunden häufig nur nach Einkommen, beruflicher Situation und Alter in Schubladen gesteckt“, erklärt Hans Ulrich Buhl, Wirtschaftsprofessor an der Universität Augsburg. Anhand dieser Einordnung werden den Kunden dann vorgefertigte Produkt-Pakete empfohlen, die den eigentlichen Ansprüchen oftmals jedoch nicht genügen. „Allein auf Grundlage der harten Fakten lässt sich eine sinnvolle Strategie kaum entwerfen“, sagt Buhl.

Die Forscher der Universität wollen daher weg vom Schubladen-Denken. In einem öffentlich geförderten Projekt entwickeln sie ein Programm, das neben harten Fakten auch weiche Faktoren wie Risikobereitschaft und persönliche Vorlieben der Anleger berücksichtigt. Aus der Kombination dieser beiden Bereiche erarbeitet das Programm dann die individuelle Strategie.

Denn gerade wenn es um die Geldanlage geht, seien die Wünsche der Anleger alles andere als realistisch, sagt Buhl. So würden beispielsweise Beamte meist sehr konservative Investments suchen, obwohl sie über ein für lange Zeit gesichertes Gehalt verfügen und riskanter spekulieren könnten. Ein anderes Extrem sind Börsenhändler, die bei ihrer Geldanlage mitunter immense Risiken eingehen. „Wenn dann die Börse einbricht, spüren sie das nicht nur beim Gehalt, sondern auch bei ihrem angelegten Geld“, erklärt Buhl.

Dabei soll das System die eigentliche Beratung nicht ersetzen, sondern ergänzen. Über Jahre hinweg werden immer mehr Informationen über die einzelnen Anleger gesammelt – vom Handelsverhalten über die persönliche Lebenssituation bis zum Risikoverhalten. „Am Ende werden die Empfehlungen immer persönlicher, das Depot wird den Ansprüchen immer weiter angepasst“, sagt Buhl. Ein Ergebnis, von dem beide Seiten profitieren.

Derartige Projekte, die Informationstechnologien mit finanzwirtschaftlichen Fragen verbinden, sind an der Universität Augsburg keine Seltenheit. „Wir haben hier ganz gezielt einen Schwerpunkt gesetzt“, sagt Buhl. Verstärkt wurde zudem die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Sowohl das Kernkompetenzzentrum „IT & Finanzdienstleistungen“ als auch der vor wenigen Tagen gestartete und vom Elitenetzwerk Bayern geförderte Studiengang „Finance & Information Management“ arbeiten intensiv mit Praxispartnern wie Allianz, Deutsche Bank, A.T. Kearney und IBM zusammen. In Augsburg sind rund 3 500 Wirtschaftsstudenten eingeschrieben.

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