Unpassende Bewerbungen nehmen zu
Wer zehn Prozent zu viel verlangt, ist raus

Die Personalchefs sehen sich in Vorstellungsgesprächen oft einer peinlichen Situation gegenüber: Wenn die Sprache auf das Geld kommt, langen Kandidaten mit ihrem Gehaltswunsch häufig so stark daneben, dass sie sich allein damit für die zu besetzende Stelle disqualifizieren.

„Grundsätzlich sind die Gehaltsvorstellungen unserer Bewerber, insbesondere der Berufseinsteiger, durchaus realistisch. Unter Bewerbern mit Berufserfahrung waren jedoch überhöhte Gehaltsforderungen in den letzten zwei Jahren keine Seltenheit“, berichtet Karen Hochrein, Partnerin in der Personalabteilung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Da helfen nur deutliche Worte der Personaler: „Wir reagieren dann sehr offen und sagen klar, dass wir uns eine andere Summe vorstellen“, erzählt Hochrein.

Doch selbst wenn ein Kandidat Verhandlungsbereitschaft signalisiert, hat er sich mit seiner überzogenen Forderung meist selbst aus dem Rennen geworfen. „Wenn jemand so schlecht informiert in ein Vorstellungsgespräch geht, wirft das kein gutes Licht auf ihn“, erklärt Frank Weingarten, Personalberater bei Kienbaum in Düsseldorf. Die Grenze sieht Weingarten bei zehn Prozent über und unter der Vorstellung des Unternehmens. Wer diesen Korridor verlässt, braucht sich kaum noch Hoffnungen auf den neuen Job zu machen.

Dieses Urteil bestätigt eine aktuelle Studie der Hamburger Vergütungsberatung Personalmarkt. Danach liegen über 30 Prozent aller Bewerber mit ihrer Gehaltsvorstellung so falsch, dass sie nicht in die engere Wahl der Kandidaten kommen. Die Personalmarkt-Berater hatten die Personalchefs von 100 deutschen Unternehmen befragt.

Sowohl eine zu hohe als auch eine zu niedrige Gehaltsforderung kann für Kandidaten zum Fallstrick werden. Im Durchschnitt der befragten Unternehmen gilt: Wer mit seinem Wunschgehalt mehr als 19 Prozent über dem Budget einer Stelle liegt, wird sofort aussortiert. Nach unten ist der Spielraum größer, aber auch nicht unbegrenzt. Im Durchschnitt darf ein Bewerber mit seiner Gehaltsvorstellung um bis zu 40 Prozent unter dem Budget für eine Stelle liegen, ohne sich Sorgen um seine Chancen machen zu müssen. „Wer zu viel verlangt, verspielt möglicherweise seine Karriere. Wer zu wenig verlangt, wird von den Unternehmen als unglaubwürdig und schlecht informiert eingeschätzt“, kommentiert Personalmarkt-Geschäftsführer Tim Böger.

Das Ergebnis der Studie belegt: Die Personalverantwortlichen haben ihre Auswahlstrategie daran angepasst, dass die Einschätzung des eigenen Marktwerts für Kandidaten schwieriger geworden ist. Regelmäßige Gehaltssteigerungen gehören in vielen Unternehmen heute der Vergangenheit an. Bislang verlässliche Größen wie das letzte Gehalt haben damit als Maßstab ausgedient, althergebrachte Grundsätze der Entlohnung von Führungskräften gelten nicht mehr. Mangelhafte Bewerbungen gehören daher zum Alltag. In 52 Prozent der Online-Bewerbungen ist die Gehaltsvorstellung falsch oder fehlt ganz, so Zahlen der Online-Stellenbörse Jobpilot.

Kandidaten bleibt nur ein einziger Ausweg: Sie müssen sich schon vor einem Bewerbungsschreiben genau informieren. Wer in seinen Schreiben an einen potenziellen Arbeitgeber gar keine Zahlen nennt oder sich mit Hinweis auf das branchenübliche Gehalt vor einer klaren Aussage drückt, wird häufig nicht einmal zum Gespräch eingeladen. Bei der Personalmarkt-Umfrage gaben 14 Prozent der Unternehmen an, dass sie Bewerbungen ohne konkreten Gehaltswunsch postwendend zurückschicken.

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