Unser Mann an der Wharton School erzählt, wie es an einer Top-Schule wirklich zugeht.
Es ist nicht alles Gold, was an US-Business Schools glänzt

Eigentlich wollte Iradj El-Qalqili, Berliner mit palästinensischem Vater, Latein- und Geschichtslehrer werden. Doch ein eher zufällig begonnenes Praktikum bei McKinsey begeisterte ihn für das Berater-Geschäft. Seit fünf Monaten macht der 29-Jährige, der auch Mitglied der deutschen Ruder- Nationalmannschaft war, nun ein MBA-Studium an der renommierten Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia.

Auf der Handelsblatt-Website www.jungekarriere.com/mba berichtet er über seine Erfahrungen. Wir fragten ihn, ob an der Top-Business School wirklich alles Gold ist, was glänzt.

Handelsblatt: Sie wollten eigentlich Latein- und Geschichtslehrer werden, dann hat Sie McKinsey vom Pfad der Tugend abgebracht. Was ist so spannend am Berater-Job?

Iradj El-Qalqili: Über Consulting-Unternehmen als solche kann ich nicht abschließend urteilen. Ich kenne nur McKinsey und Booz Allen Hamilton etwas besser. Spannend ist, dass man auch als relativ junger und unerfahrener Mensch oft mit wichtigen Fragen konfrontiert wird, die auch in die Realität umgesetzt werden.

Sie haben trotz Ihres untypischen Studienprofils den Einstieg in die Consulting-Branche geschafft. Warum musste es jetzt noch ein MBA sein?

McKinsey und Booz Allen Hamilton haben gesehen, da kommt einer, der ist mal in der Nationalmannschaft gerudert, hat gleichzeitig exotische Sachen mit guten Noten studiert und schreibt komische Bewerbungen. Inhalte und Prozesse wie professionelles Benehmen könnte man mir wohl beibringen, Selbstvertrauen, Arbeitseifer und gedankliche Beweglichkeit schienen ja da zu sein. Der MBA gibt mir jetzt die Möglichkeit, alles, was ich in den letzten Jahren gelernt habe, auf eine akademisch gesunde Grundlage zu stellen, zu vertiefen und mir ein Netzwerk zu bauen, das ich hoffentlich lange genießen werde.

Wie sind Sie bei der Auswahl des MBA-Programms/der Schule vorgegangen?

Recht einfach: Ich habe mir Rankings angeguckt und mit einigen Alumni gesprochen. Ich wollte in ein Top-Programm, einfach um ganz klar zu signalisieren, dass ich nicht nur in Römischer Militärgeschichte top sein kann, sondern dass ich mit meinen zukünftigen Klienten auch alle Business-Fragen sinnvoll diskutieren kann.

Sie sind jetzt fast fünf Monate an der Wharton School. Erste Überraschungen oder Enttäuschungen?

Eine positive Überraschung ist, dass ich, wenn ich negativ überrascht bin, nicht enttäuschst sein muss. Warum? Die Uni ist extrem flexibel, fragt die Studenten oft nach Feedback und verbessert dann Dinge in enger Zusammenarbeit. Schon in der zweiten Woche saß ich mit Vice Dean Anjani Jain zusammen, um einen Punkt im Pre-Term-Programm zu verbessern. Also: Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber bevor man meckert, kann man hier viel polieren und schmieden, um den MBA sinnvoll und angenehm zu gestalten.

Wenn Sie das Lernen an einer Business School mit dem Lernen an einer deutschen Uni vergleichen, was sind die größten Unterschiede?

Von der Flexibilität habe ich schon gesprochen. Ein Unterschied ist, dass die Professoren einerseits dauernd evaluiert werden und andererseits den Anspruch haben, nicht immer ihr jeweiliges Steckenpferd zu lehren, sondern das, was sinnvoll für die Zukunft der Studenten ist. Auf der anderen Seite hat das Grenzen: Es gibt Professoren mit „tenure“, die werden auch nach der soundsovielten schlechten Studentenbewertung noch da sein. Zudem wird großer Wert auf Forschung gelegt. Der Accountingprofessor, der zwar keine „tenure“ hat, dessen Klassen aber leer bleiben, hält sich trotz miserabelster Bewertungen eine ganze Weile - weil er ein guter Forscher ist.

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