Unternehmen und Märkte
Kreuzgang und Klosterzelle

Wenn der Computer ständig abstürzt, der Lärm im Büro die Konzentration auf die Arbeit zunichte macht und die Einstellung der Klimaanlage nicht stimmt, verliert auch der beste Mitarbeiter die Lust am Job. Dynamik und Komplexität in der Geschäftswelt nehmen zu, und damit auch der Druck. Intelligent gestaltete Büros könnten den Stress reduzieren.
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Im Kölner Rheinauhafen bereitet ein Vertriebsmann das nächste Verkaufsgespräch vor: Per Computer zaubert er auf die elektronische Tapete an der Wand der Kundenlounge eine 360-Grad-Fantasylandschaft. Derweil dreht sich auch im Konferenzraum die Kamera auf dem Tisch um 360 Grad und nimmt jeden der rund ein Dutzend Sitzungsteilnehmer für die Videokonferenz mit den Kollegen in New York auf. Unten im Foyer erfährt ein Besucher über das elektronische Besucher-Outlook-Leitsystem, dass seine Verabredung jetzt in einem anderen Raum stattfinden soll.

„Das Microsoft-Büro in Köln soll das modernste Büro in Deutschland werden“, verspricht etwas großspurig Achim Berg, der Deutschland-Chef des US-Softwareriesen. Mit dem „Office of the Future“-Konzept sollen die Büros, die im kommenden Sommer bezugsfertig werden, den Firmenkunden Lust auf moderne Bürotechnik machen und den Microsoft-Mitarbeitern einen Arbeitsplatz bescheren, der ihnen den Umgang mit einem leidigen Phänomen erleichtert: Dynaxität.

Dynaxi – was?: „Die Dynamik und Komplexität in der Geschäftswelt“, erklärt Ralph Bruder den Begriffszwitter, „hat so zugenommen, dass sich Unternehmen verstärkt damit beschäftigen, wie sie durch Bürogestaltung ihren Mitarbeitern helfen können, damit besser umzugehen.“ Professor Bruder ist Leiter des Instituts für Arbeitswissenschaft (IAD) an der Technischen Universität Darmstadt.

Beispiel Microsoft: Im Kölner Büro gibt es keine Arbeitsplatztelefone mehr – per Headset und mobilem Telefoncomputer können die Mitarbeiter künftig „nahtlos“ kommunizieren. „Egal, ob E-Mail, Sprach- oder Videonachricht – jeder kann überall Botschaften aller Art empfangen, muss nicht mehr abrupt ans Telefon springen oder von einem Kollegen gesucht werden“, so beschreibt Niederlassungsleiter Michael Müller-Berg die Grundzüge des neuen Kommunikationskonzepts.

Die moderne Wissensgesellschaft ändert ihr Gesicht beinahe täglich – Bestand hat nur die Erkenntnis, dass Wissen Wandel ist. Was gestern noch richtig war, kann heute schon falsch sein und ist morgen womöglich überholt. Wer mithalten will, muss sich immer neu orientieren. Nicht jeder hält dieses Tempo durch – Unternehmen, deren Regeln sich ständig ändern, brauchen qualifizierte Mitarbeiter, die aber auch nur dann dem Stress standhalten, wenn das Büro reibungslos funktioniert. Wo der Computer ständig abstürzt, die schlechte Akustik im Großraumbüro die Konzentration auf die eigene Arbeit unmöglich macht, weil der Kollege nebenan lautstark telefoniert oder die Einstellung der Klimaanlage nicht stimmt, verlieren auch hoch motivierte Mitarbeiter die Lust am Job.

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