Unternehmensführung
Schweiz regelt Managergehälter neu

Schweizer Unternehmen wollen sich künftig an einheitliche Regeln zur Bezahlung ihrer Manager halten. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat jetzt entsprechende Empfehlungen verabschiedet, die nach mehrmonatigen Diskussionen mit den Mitgliederverbänden entstanden sind. Die Empfehlungen sind Bestandteil der Regeln zur guten Unternehmensführung.

ZÜRICH. Griffigster Punkt unter den zehn neuen Regeln: Der Verwaltungsrat einer Firma gewährt für ausscheidende Mitglieder des Managements keine „goldenen Fallschirme und keine Abgangsentschädigungen“. Neu ist auch, dass dem so genannten Entschädigungsausschuss, der als Gremium des Verwaltungsrats die Managergehälter festlegt, nur unabhängige Mitglieder angehören dürfen – solche also, die ansonsten nicht mit dem Unternehmen in irgendeiner Weise verbunden sind. Die Bezahlung soll ferner variable und feste Teile enthalten, die den mittel- und langfristigen Erfolg belohnen.

Darauf geachtet werden soll auch, dass die Spitzenmanager aus einer allgemeinen Steigerung der Aktienkurse keinen Vorteil ziehen dürfen. Belohnt werden soll nur ein Kursverlauf, der deutlich besser als im Branchenvergleich ausfällt. Um das festzustellen, soll der Ausschuss regelmäßig Lohnvergleiche mit anderen Unternehmen anstellen.

Thematisiert werden auch die Honorare für externe Berater: Deren immer weiter gestiegene Forderungen sollen gebremst werden, heißt es von Economiesuisse. Schließlich soll der so genannte Entschädigungsbericht Teil des jährlichen Geschäftsberichts sein, der den Aktionären vorgelegt werden. Er muss so aufgebaut sein, dass daraus ersichtlich ist, wie viel die Mitglieder des Verwaltungsrats, wie viel die Geschäftsleitung insgesamt und wie viel ihr höchstbezahltes Mitglied verdient. Begründet werden soll auch, warum die Entlohnungen gestiegen oder gesunken sind.

Die Empfehlungen ging eine durch aufsehenerregende Fälle angeheizte Debatte in der Schweiz voraus. So streichen Manager wie der Chef des Pharmariesen Novartis, Daniel Vasella, oder der Verwaltungsratspräsident der Großbank UBS, Marcel Ospel, ungerührt zweistellige Millionensummen an Bezügen ein. Unrühmlicher Höhepunkt stellte im Frühjahr der Fall Oerlikon dar. Der Verwaltungsrat des mittelgroßen Technologiekonzerns wollte damaligen Oerlikon-Chef Thomas Limberger ein Paket aus Bargeld, Aktien und Optionen zu zahlen, dass je nach Aktienkurs an die 13 Mill. Euro ausmachen konnte. Limberger hätte damit gleichviel verdient, wie die Spitzenmanager der Schweizer Blue-Chip-Unternehmen. Als dies bekannt wurde, reagierte Limberger und verzichtete: erst auf einen Teil seines Gehalts und dann auf seinen Job.

Zugleich tobt in der Schweiz, wo im Oktober gewählt wird, eine politische Debatte über Managergehälter, der Economiesuisse nun die Spitze nehmen will. Ob das durch die neuen Regeln gelingt, die nur Empfehlungen sind und nur wenig über die bisherige Praxis hinausgehen, ist zweifelhaft. „Die Verbreitung des Abzockervirus zeigt, dass es Regeln gegen den amtlich tolerierten Griff in die Unternehmenskassen braucht“, wettern beispielsweise die Sozialdemokraten und unterstützen als erste Regierungspartei eine Bürgerinitiative „Gegen die Abzockerei“.

Sie ist von Thomas Minder, dem Chef einer Schweizer Kosmetik-Firma ins Leben gerufen worden. Er fordert, dass bei börsennotierten Unternehmen die Aktionäre über die Gehälter der Verwaltungsratsmitglieder und Spitzenmanager entscheiden dürfen. Minder benötigt bis zum Mai des kommenden Jahres 100 000 Unterschriften, damit eine Volksabstimmung stattfindet. Die Unterstützung ist groß und reicht durch alle Parteien und Branchen.

Der liberale Schweizer-Abgeordnete Rolf Büttiker bringt es zum Beispiel so auf den Punkt: „Ich bin kein Neidgenosse. Wegen 100 000 Franken mehr oder weniger machen wir kein Gestürm.“ Aber die Höhe der heutigen Entschädigung, fügt er hinzu, stehe in keinem vernünftigen Zusammenhang zur Leistung.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%