Unternehmenskultur und Persönlichkeit
Wie viel Teufel steckt in Ihnen?

Lug, Betrug, Diebstahl. Kunden anschmieren, Kollegen hintergehen – der Job kann den Charakter verderben. Wenn Ideale über Bord gehen, liegt das manchmal an der Unternehmenskultur, aber meist an der eigenen Persönlichkeit. Wie Sie stets Haltung bewahren.
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Die Aktion soll mehr Profit bringen, weiter nichts. Nachdem Klaus Grinth* seinen Auftrag ausgeführt hat, sind 1500 Menschen ohne Job. Er hat sie alle gefeuert. Dazu wurde der Personaldirektor eigens angeheuert.

Seinem Arbeitgeber geht es zu dem Zeitpunkt blendend. Jedes Jahr wächst das Unternehmen zweistellig. Doch dem Vorstandschef reicht das nicht. Er will ein Plus von 25 Prozent, er will die Konkurrenz abhängen, das Ansehen steigern, sein eigenes vor allem. Mit der jetzigen Mannschaft sei das nicht zu machen, sagt er. Also soll Grinth sie austauschen — wie, ist egal. Hauptsache neue Leute. „Und das habe ich gemacht“, sagt Grinth.

Rund 18 Monate braucht er dafür. Anfangs sei das hart gewesen, erinnert er sich. Dann kam der Rausch. Grinth entdeckt Eigenschaften an sich, die er vorher nicht kannte: die Härte, den Durchsetzungswillen und die Begeisterung, jeden Monat „seine Zahlen zu bringen“. Manchmal kann er sie sogar übererfüllen, indem er binnen einer Woche über 100 Mitarbeiter entlässt. Sein Chef klopft ihm dafür auf die Schulter. Die Kollegen im Vorstand nicken achtungsvoll. Es gibt Prämien und die Aussicht zum Personalvorstand aufzusteigen.

Ein paarmal wacht Grinth nachts auf, sieht die Gesichter der weinenden Männer und Frauen vor sich, die auf ihre Hypotheken und die schulpflichtigen Kinder verweisen. Er weiß, er spielt Schicksal. Er spürt die Allmacht und manchmal auch sein Gewissen. Dann denkt er an seinen Auftrag, seine Karriere. Die Macht siegt.

„Ich wollte damals unbedingt Personalvorstand werden“, sagt Grinth. Für die Kündigungen gab es keine wirkliche Notwendigkeit, oft hätten schon Qualifizierungen gereicht. „Aber ich wollte nicht hören, dass ich der falsche Mann für diesen Job bin. Ich wollte nicht als schwach gelten und meinen Ruf nicht gefährden.“

Und natürlich klammert er sich an den Gedanken, dass danach bessere Zeiten kommen. Aber sie kommen nie. Stattdessen wird es schlimmer. Grinth wird tatsächlich Personalvorstand, doch nach der Kündigungswelle sollen weitere „Personalmaßnahmen“ folgen. Die Begründungen lauten diesmal so: „Schmeißen Sie die da raus – die hat kein Feuer mehr in den Augen!“ Da merkt Grinth, dass etwas gewaltig schief- läuft in dem Laden und in seinem Leben. Dass er Dinge tut, die er nicht tun will, weil sie keinen Sinn ergeben. Und dass er sich hat korrumpieren lassen, von der Macht, dem Erfolg und seinem Ego. Er kündigt — und gibt sich selbst ein Versprechen: Nie wieder will er grundlos Leute rausschmeißen, nie wieder will er so ein Schwein sein.

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