Urlaubsanspruch
Mit dem Laptop auf Tauchstation

Sommer, Sonne, Strand und Palmen: Jeder muss mal Urlaub machen, um sich von der Arbeit zu erholen. Der Anspruch darauf ist gesetzlich festgelegt. Doch nur wenige Unternehmen achten auf dessen genaue Umsetzung. Das kann mitunter zu unangenehmen Situationen führen.

DÜSSELDORF. Die Anordnung kam von ganz oben. "Lieber Herr Kollege", schrieb der Chef per E-Mail. "Jeder muss mal Urlaub machen. Auch Sie. Vom 1. August bis zum 15. September sind Sie daher von der Arbeit freigestellt. Mit freundlichen Grüßen. Die Geschäftsführung." Der Adressat der Nachricht, Abteilungsleiter einer PR-Agentur im Rheinland, war über die Botschaft wenig erfreut. Einen Urlaub hatte er, ebenso wie im Jahr zuvor, nicht geplant. Doch sein Protest verhallte ungehört. Die Zwangspause war beschlossene Sache.

Gesetzlich vorgesehen ist eine solche Urlaubsverfügung per Dekret allerdings nicht: Grundsätzlich muss der Arbeitgeber bei der Ferienplanung die Wünsche seiner Beschäftigten berücksichtigen. Ausnahme: "Wenn dringende betriebliche Belange entgegenstehen, darf der Chef den Urlaubstermin auch gegen den Willen des Personals festsetzen", sagt Jens-Wilhelm Oberwinter, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei Greenfort in Frankfurt.

Schwierigkeiten machen dabei vor allem zwei Konstellationen. Die eine Problemgruppe bilden Workaholics wie der Aachener PR-Profi. Sie halten sich im Betrieb für unverzichtbar und häufen oft wahre Berge von unverbrauchten Urlaubstagen an. Die Unternehmen sind jedoch per Gesetz dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern den gesetzlich vorgeschriebenen Mindesturlaub von 20 bzw. 25 Werktagen zu gewähren. "Gerade besonders engagierte Mitarbeiter, die ihre Ansprüche zu spät anmelden, laufen Gefahr, zu einem wenig attraktiven Zeitpunkt in die Ferien fahren zu müssen", warnt Randhir Dindoyal, Rechtsanwalt aus München. Und es kann noch schlimmer kommen. Wer seinen Urlaub am Jahresende noch immer nicht genommen hat, riskiert, seinen Anspruch ersatzlos zu verlieren. "Normalerweise verfallen ungenutzte Urlaubstage mit Ablauf des Kalenderjahres", so Rechtsanwalt Oberwinter. "Zwar lässt sich nicht verbrauchter Urlaub in der Praxis oft in das erste Quartal des neuen Jahres retten. Anders als häufig angenommen gibt es aber keinen Automatismus, der eine solche Übertragung zwingend vorschreibt."

Die Zeiten, in denen Firmen tatenlos zusahen, wie ihre Führungskräfte über Jahre hinweg auf jegliche Auszeit verzichteten, sind jedenfalls vorbei. Konnte es früher vorkommen, dass sich erst beim Verkauf eines Unternehmens herausstellte, dass dessen Geschäftsführer auf 200 Urlaubstagen saß und damit zum echten Kostentreiber bei der Transaktion geworden war, sind solche Fälle inzwischen selten geworden. "Wer seinen Resturlaub bis zum 31. März des Folgejahres nicht genommen hat, geht immer häufiger leer aus", so Experte Oberwinter.

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