Urteil des Bundessozialgerichts: Tätowierer sind keine Künstler

Urteil des Bundessozialgerichts
Tätowierer sind keine Künstler

Tätowierer sind vor dem deutschen Gesetz keine Künstler. Das hat das Bundessozialgericht in Kassel am Mittwoch in letzter Instanz entschieden. Auftatmen dürfte nun vor allem die Künstlersozialkasse, in bei einem anderslautenden Urteil wohl einen Ansturm der Körperkünstler erlebt hätte.

HB KASSEL. Die Richter gaben in Wilhelmshaven ansässigen Künstlersozialkasse Recht, die einen Tätowierer nicht versichern wollte. Das Gericht folgte der Argumentation, dass ein Tätowierer eher zum Kreis der Kunsthandwerker gehöre. Eine "gewisse gestalterische Leistung" sei dem Kläger zwar nicht abzusprechen. Das gelte aber für viele Handwerker wie etwa Goldschmiede oder Instrumentenbauer (Az.: B 3 KS 2/07 R).

Der Tätowierer, ein gelernter Grafischer Zeichner, betreibt seit sechs Jahren einen Tätowierladen in Lohne bei Vechta. Er beantragte die Versicherung durch die subventionierte Künstlersozialkasse, weil er die Motive für seine Tattoos selbst und völlig frei entwerfe. Deshalb müsse er als Künstler gelten. Zudem müsse das Tätowieren als eine der ältesten Kunstformen gelten. Die Kasse verwies jedoch auf einen "hohen handwerklichen Anteil" an seiner Arbeit, der den kreativen bei weitem übersteige.

Das sahen die Richter ähnlich. Trotz einer "kreativen Komponente" müsse das Tätowieren dem Handwerk gleichgestellt werden, weil der Schwerpunkt auf manuellen Fähigkeiten liege. Eine Ausnahme könne nur dann gelten, wenn der Tätowierer in Kunstkreisen Anerkennung gefunden habe. Das sei jedoch nicht der Fall, die Wertschätzung von Kollegen genüge nicht. Der vorliegende Fall mache deutlich, dass Tätowieren kein Handwerk sei, rechtlich jedoch wie Kunsthandwerk zu behandeln sei.

Die Künstlersozialkasse ist als Teil der gesetzlichen Sozialversicherung dafür zuständig, hauptberuflich tätige selbstständige Künstler mit ihren unsteten Einnahmen für eine Erkrankung, für einen Unfall und für das Alter abzusichern. Die Künstlersozialkasse betreut nach eigenen Angaben bundesweit 150 000 Menschen. Etwa die Hälfte der Versicherten sind bildende Künstler, die übrigen Schauspieler, Musiker oder Journalisten.

(Az.: B 3 KS 2/07 R)

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