Urteile
Was als sexuelle Belästigung gilt

Anzügliche Blicke, schlüpfrige Witze, unerwünschte Berührungen: Wann die Grenze zu sexueller Belästigung am Arbeitsplatz überschritten ist, müssen häufig die Richter entscheiden.

Briefterror

Ein EDV-Experte hatte sich in eine Kollegin verguckt. Trotz mehrerer Abfuhren schrieb er ihr anzügliche Briefe. In einem ließ er sie wissen, dass er ihr "bei Bedarf" ihre "hübschen Pobacken versohlen" werde - wenn nötig per Rohrstock. Diese Art Lyrik ging auch dem Arbeitgeber zu weit: Der bereits abgemahnte Romeo wurde entlassen.

Zu Recht: Die fristgemäße Kündigung sei in solchen Fällen das probate Mittel, entschieden die Richter (Landesarbeitsgericht Hamm, 18 Sa 2328/98).

Unterlassung

Eine Angestellte beschwerte sich beim Chef über "sexistische Äußerungen" eines Kollegen. Dieser forderte vor Gericht, die unbewiesenen Beschuldigungen zu unterlassen. Die Richter lehnten sein Ansinnen ab. Das firmeninterne Beschwerdeverfahren funktioniere nicht, wenn Beschwerden erst bewiesen werden müssten. Beschuldigte könnten sich später immer noch wehren, indem sie etwaige Strafmaßnahmen des Arbeitgebers anfechten (Landesarbeitsgericht Hessen, 8 Sa 195/99).

Vier Augen

Der 52-jährige Manager eines Touristikunternehmens baggerte eine ihm unterstellte Reiseleiterin bei einer Dienstfahrt an. Obwohl sie ihn erst abwies, kam es zu "sexuellen Handlungen". Sie warf ihm sexuelle Belästigung vor. Der Arbeitgeber glaubte der Reiseleiterin und entließ den Mann. Zu Recht, sagte das Landesarbeitsgericht Niedersachsen.

Das Bundesarbeitsgericht hob das Urteil auf: Es sei nicht klar, ob die Frau die Avancen "erkennbar abgelehnt" habe. Dafür könne gegenüber Chefs zwar auch "zurückhaltendes Geschehenlassen" ausreichen. Hier ergebe sich aber kein klares Bild, denn die Frau habe sich selbst ausgezogen, am Abend danach noch mit ihm gegessen und den Vorfall erst ein Jahr später gemeldet (2 AZR 341/03).

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