Veränderter Arbeitsmarkt
Neue Vielfalt

Eine Exklusivstudie zeigt: Deutsche Personalmanager müssen in Zukunft ganz neue Angebote für Ältere, Einsteiger und Ausländer entwickeln. Gerade in den Bereichen der Integration und der Anbindung von Mitarbeitern über das Rentenalter hinaus hapert es gewaltig. So geht wertvoller neuer Input und nützliche Erfahrung verloren.
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Als das Arbeitsamt sie zum Vorstellungsgespräch bei der Direktbank ING-Diba schickt, rechnet sich Christa Louis nicht eben große Chancen aus. Sie ist 51 Jahre alt, seit neun Monaten arbeitslos und hat keine Ausbildung abgeschlossen. Doch Louis erlebt eine Überraschung. Die Bank macht die ungelernte Verkäuferin zu einem ihrer ersten 50-Plus-Azubis. Binnen neun Monaten qualifiziert die ING-Diba sie zur Servicefachkraft für Dialogmarketing.

Das war vor einem Jahr. „Im Schnelldurchgang haben wir das gelernt, was Jüngere in zwei Jahren Berufsausbildung beigebracht bekommen - und haben am Ende die gleiche IHK-Prüfung wie diese absolviert", sagt die Mutter dreier erwachsener Kinder heute. Mittlerweile ist sie fest angestellt, betreut Kunden im Callcenter „wie eine ganz normale Bankangestellte am Schalter auch - nur eben am Telefon" und plant bereits die nächste Karrierestufe: „Ich möchte in die Wertpapierabteilung."

Arbeitgeber wie die ING-Diba, die mit innovativen Konzepten die großen Herausforderungen der Personalarbeit konsequent angehen, sind in Deutschland noch die Ausnahme. Dabei fehlt es den Unternehmen nicht an Problembewusstsein. Nirgendwo sonst in Europa steht etwa das Thema Demografiemanagement in den Personalabteilungen derzeit so weit oben auf der Agenda wie in Deutschland. Doch gleichzeitig schätzen die deutschen Personaler ihre Kompetenzen auf diesem Gebiet im europäischen Vergleich selbstkritisch als eher gering ein.

Das zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) und der Europäischen Vereinigung für Personalführung (EAPM) unter 1355 Top-Managern in 27 Ländern Europas. Die bisher größte Vergleichsstudie zu den Trends der Personalarbeit liegt der WirtschaftsWoche exklusiv vor.

Überall in Europa treibt Unternehmen demnach die Angst um, dass ihre Belegschaft vergreist und der qualifizierte Nachwuchs ausgeht - besonders ausgeprägt sind diese Befürchtungen aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „In diesen Ländern ist der Handlungsbedarf auch tatsächlich am größten", sagt Rainer Strack, Personalexperte und Partner bei BCG.

Bis 2015 wird das Durchschnittsalter der Deutschen voraussichtlich auf 44 Jahre steigen, das der Franzosen auf 40 und das der Iren auf lediglich 36. Gegenüber einem Land wie Indien, dessen Einwohner 2015 im Schnitt nur 30 Jahre alt sein werden, sehen jedoch alle Europäer alt aus. „Deutsche Unternehmen, die darauf hoffen, dass sie in Zukunft eine unbegrenzte Zahl jüngerer Fachkräfte aus Osteuropa rekrutieren können, werden bitter enttäuscht", meint EAPM-Generalsekretär Hans Böhm. „Das Demografieproblem ist in Osteuropa fast genauso groß wie bei uns."

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