Vereinbarkeit von Privat- und Erwerbsleben
Möglichst abhängig

Karriere plus Ehe plus Kinder - geht das zusammen? Die erfolgreiche Vereinbarkeit von Privat- und Erwerbsleben ist keine Frage der individuellen Organsiation, sondern der geteilten Freiheit: Paare haben zwei Persönlichkeiten und 48 Stunden täglich, um ihr eigenes, gemeinsames Glück zu finden.
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DÜSSELDORF. Der ägyptische Milliardär Mohamed Al-Fayed ist als Finanzberater des Sultans von Brunei bekannt geworden, als Eigner des Harrods in London, des Ritz in Paris und als Vater von Dodi, den an der Seite Dianas ein plötzlicher Tod ereilte. Allein als Paar- und Psychotherapeut ist Mohamed Al-Fayed bisher die gebührende Anerkennung versagt geblieben, obwohl er die geschwätzige Branche mit einem einzigen Satz an die Wand geschrieben hat: "Familie und Beruf sind nicht vereinbar, sie schließen sich gegenseitig aus."

Um diese unverrückbare Wahrheit zu verschleiern, haben Personalberater den Begriff "Work-Life-Balance" erfunden und Regalmeter voller Ratschläge für ein "optimiertes Zeitmanagement" verfasst. Leider laufen diese Ratschläge stets in dieselbe Falle: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird als Frage der individuellen Organisation und Disziplin mit dem Ziel der Selbstmaximierung gestellt - und das heißt: immer nur ans Ego gerichtet. Karriere und Kinder, Gesundheit und Gesellschaft, Freizeit und Kultur, Erholung und Schlaf, jeder kann das alles in 24 Stunden unter einen Hut bringen, so die frohe Botschaft: Man muss es nur wollen.

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Dass Paare nicht nur 48 Stunden Zeit, sondern auch zwei Persönlichkeiten und Lebensentwürfe zur Verfügung haben, um ihr Leben zu ordnen - diese entlastende Perspektive eröffnen Persönlichkeitstrainer nicht. Auch nicht, dass die Frage der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben gerade wegen ihres individuellen Zuschnitts antiemanzipatorisch wirkt, weil sie sich einigen (Frauen) naturgemäß drängender stellt als anderen (Männern). Und schon gar nicht, dass der ohnehin windschiefe Begriff "Work-Life-Balance" (als gebe es eine Wahl zwischen Arbeit und Leben!) nur in seiner Anwendung auf die Paarbeziehung seinen tautologischen Unsinn verliert, weil Egos ihre Arbeits-, Familien- und Freizeit mit sich selbst verrechnen (müssen), während Paare sie miteinander teilen (können).

Insofern hat Mohamed Al-Fayed recht und unrecht zugleich: Familie und Beruf schließen sich gegenseitig aus - aber nur aus der Sicht der Ich-Ich-Ich-Theoretiker. Als Paar, das es ernst miteinander meint, lässt sich beides ganz wunderbar miteinander verbinden. Man muss es nur wollen.

Die Wirtschaftswoche hat die Probe aufs Exempel gemacht und sieben Familien besucht, denen sich die Frage einer Balance von Privat- und Berufsleben besonders drängend stellt: Geschäftsführer, Manager, Berater, Politiker, die Kinder haben und Karriere machen, die ehrgeizig sind im Job, ohne aufs Familienglück verzichten zu wollen, die wochentags unterwegs sind und sonntags möglichst zu Hause, die zugunsten ihres Partners auf berufliche Ehren verzichten und ihre Kinder selbst erziehen, die Tagesmütter, Babysitter, Kinderkrippen organisieren, um ungestört neue Erfolgsgipfel zu erklimmen, kurz: die auf ganz verschiedene Weise sagen: Ja, Kind, Beziehung und Karriere - das geht.

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