Verfahren gegen Aktienhändler
Grundkurs in Optionstheorie

Friedhelm Breuers schmeißt mit Fachbegriffen nur so um sich, sehr zum Unmut der stark geforderten Richter: Das Verfahren um die Kündigung des Aktienhändlers bei der WestLB verlangt den Prozess-Teilnehmern einiges ab. Breuers soll festgelegte Risikolimits überschritten und gegen die Weisung des Vorstandes gehandelt haben - er klagt auf Wiedereinstellung.

DÜSSELDORF. Delta, Gamma, Vega - den Besuchern im Raum 004 des Düsseldorfer Arbeitsgerichtes brummt der Kopf. Doch Friedhelm Breuers kennt keine Gnade und wirft auch zwei Stunden nach Prozessbeginn munter mit Fachbegriffen um sich. Wenn es um komplizierte Finanzmarkttheorie geht, ist der Derivate-Fachmann und Ex-Händler der WestLB in seinem Element. Auf der Bank nebenan unternimmt die Anwältin der Düsseldorfer Landesbank einen verzweifelten Anlauf, den Prozess in eine andere Richtung zu lenken: "Es tut mir leid, ich weiß nicht, was Vega-Risiken sind", klagt Marie Kauffmann-Lauven. -Luise Auch Richterin Heike Menche kann ihr nicht helfen: "Das wissen wir auch nicht!", gesteht sie freimütig für sich und die beiden ehrenamtlichen Richter an ihrer Seite.

Ob sie es wissen müssen? Darüber streiten die Parteien. Nach Meinung der WestLB-Anwälte eröffnet Breuers mit seinen detaillierten Ausführungen zum Optionshandel ein Scheingefecht. Aus Sicht des 45-jährigen Bankers sind die Details entscheidend, da "eine Verallgemeinerung des Sachverhaltes zu falschen Schlussfolgerungen führt".

Für Breuers geht es um viel. Seit sechs Monaten ist der Banker, der einst als Leiter der WestLB-Handelsabteilung die Verantwortung über 440 Mitarbeiter und ein millionenschweres Budget hatte, ohne Beschäftigung. Im April hatte ihn die Landesbank entlassen, weil er und ein Mitarbeiter im Eigenhandel festgelegte Risikolimits überschritten und gegen die Weisung des Vorstandes kritische Positionen noch ausgebaut haben sollen. Breuers streitet das ab und klagt auf Wiedereinstellung - auch weil es sein "erster Misserfolg nach 18 Jahren bei der WestLB" gewesen sei.

Dafür war die Dimension umso größer: Breuers und sein Mitarbeiter hatten mit hohen Summen darauf gewettet, dass sich VW-Vorzugsaktien besser entwickeln als die Stammaktien des Konzerns. Doch die Wette mit Aktien und Optionen schlug fehl und bescherte der WestLB im ersten Halbjahr einen Verlust von 604 Millionen Euro. Mehrere Vorstände kostete das Debakel den Job, darunter Bankchef Thomas Fischer. Seit Ende Juli versucht der frühere NordLB-Chef Alexander Stuhlmann in Düsseldorf zu retten, was zu retten ist.

Auch Stuhlmann ist zum Prozess vor dem Arbeitsgericht geladen worden. Statt seiner kommt jedoch ein Vertreter. Und auch die Hoffnung, dass Ex-Chef Fischer vor Gericht erscheint, erfüllen sich nicht. Noch ehe Richterin Menche die ersten Worte spricht, verlassen die eigens angereisten Kamerateams und Fotografen daher den Saal. Ohne Prominenz sind in dem Verfahren keine Schlagzeilen zu erwarten.

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