Verfahren um Kündigung
Küchenhilfe darf ungestraft Firmenjoghurt essen

Wegen ihres pingeligen Arbeitgebers hätte eine Küchenhilfe fast ihre Stelle verloren: Sie hatte einen firmeneigenen Joghurt gegessen, dessen Verfallsdatum bereits in der Vergangenheit lag. Daraufhin kündigte ihr der Arbeitgeber umgehend. Das hessische Landesarbeitsgericht wies den Pedanten jedoch in die Schranken.

HB FRANKFURT AM MAIN. In dem am Dienstag bekannt gewordenen Urteil des Landesarbeitsgerichts gaben die Richter der Klage der Arbeitnehmerin gegen den Küchenbetrieb statt und erklärten sowohl die fristlose als auch die ordentliche Kündigung für unwirksam.

Die Küchenhilfe hatte den etwa 40 Cent teuren Joghurt gegessen. Als sie später erwischt wurde, verwies sie darauf, dass die Ware bereits "abgelaufen" war. Gleichwohl kündigte ihr der Arbeitgeber fristlos und berief sich dabei auf einen Hinweis an die Belegschaft, wonach die Mitnahme firmeneigener Lebensmittel nach Hause ohne Bezahlung ausdrücklich verboten sei.

Die Richter entschieden, diese Vorschrift bedeute aber nicht automatisch, dass auch der Verzehr geringwertiger Lebensmittel am Arbeitsplatz verboten ist. Insofern hätte die Küchenhilfe nicht zwingend vom Unrecht ihres Handelns ausgehen müssen. Grundsätzlich könne zwar auch beim Diebstahl oder Verzehr geringwertiger Lebensmittel eine Kündigung ausgesprochen werden. Dies gelte aber nur bei einer "rechtswidrigen Zueignung", argumentierten die Richter.

(Az.: 5/11 Sa 764/05)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%