Vergütung
Je größer, umso mehr

Doppelt so viel verdienen? Das klappt: Indem man sich rechtzeitig schlau macht, welche Branche am besten zahlt. Wer als angestellter Jurist ordentlich honoriert werden will, sollte wählerisch sein – vor allem bei der Unternehmensgröße.

DÜSSELDORF. Die Vergütungslandschaft für Syndikusanwälte sieht so aus: „Die Top-Verdiener sitzen in den Führungsetagen der großen Industriekonzerne des Dax“, weiß Heinz Evers, Vergütungsexperte aus Gummersbach. Nur mittelmäßig verdienen Justiziare und Rechtsreferenten der öffentlichen Verwaltung, Verbände und Steuerberatungen. Am unteren Ende der Gehaltsskala rangieren die Rechtsexperten von Bildungs- und Sozialinstitutionen.

Besonders großzügig honorieren dagegen Unternehmen der Automobilbranche, der chemischen und pharmazeutischen Industrie ihre Hausjuristen. „In Unternehmen mit rund 500 Mitarbeitern verdient der Leiter Recht, der direkt der Geschäftsführung oder dem Vorstand unterstellt ist, im Schnitt 140 000 Euro pro Jahr“, so Christian Näser, Partner der Unternehmensberatung Kienbaum Management Consultants. Zum Vergleich: Handelsunternehmen ähnlicher Größe zahlen 20 000 Euro weniger, also nur 120 000 Euro im Jahr. Mit dem Wechsel vom Mittelstand zum Großunternehmen steigen die Gehälter der Justiziare mit Führungsverantwortung noch einmal: In der Auto-, Chemie- und Pharmabranche verdient der Chefjurist einer Firma mit 5 000 bis 8 000 Mitarbeitern stolze 220 000 Euro. Im Handel – der den Ruf hat, magerere Gehälter zu zahlen – wiederum nur 185 000 Euro.

In Großkonzernen mit 10 000 oder mehr Mitarbeitern kann das Gehalt eines Chefsyndikus, der unmittelbar dem Vorstand berichtet, schließlich die Viertel-Million-Euro-Grenze überschreiten. Bescheiden dagegen die Gehälter in Verbänden: Dort werden im Schnitt 62 000 Euro im Jahr verdient. „Häufig sind das Ein-Mann-Shows ohne Führungsaufgaben“, erläutert Näser den Hintergrund. Generell jedoch gilt: „Unternehmensjuristen können vielleicht nicht mit den Spitzenverdienern in den Top-Kanzleien mithalten. Aber sie verdienen weit mehr als die meisten Anwälte und sind – finanziell gesehen – in der Hierarchie des Unternehmens im oberen Drittel angesiedelt“, konstatiert Vergütungsexperte Näser. Doch auch sie müssen für ihr Geld Leistung bringen.

Die Zeiten, in denen Unternehmensjuristen einen Achtstundentag hatten, sind vorbei. Vor allem für Syndizi global tätiger Industrieunternehmen fallen häufig Reisen zu internationalen Tochtergesellschaften an. Und wenn Fusionen oder Firmenübernahmen anstehen, sind es nicht nur die M&A-Experten der Rechtsanwaltskanzleien, die sich über Tage einschließen, um die Verträge vorzubereiten, und die anschließend das Verhandlungsmarathon begleiten.

Trotzdem ist der Job als Hausjurist oft noch familienfreundlicher als der eines Juristen in einer Großkanzlei, bei dem der 16-Stunden-Tag nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. „Als Unternehmensjurist ist man mehr Teamarbeiter als Einzelkämpfer. Man gestaltet anders als der Anwalt, der kommt und wieder geht, und erlebt Projekte von Anfang bis zum Ende mit“, lobt Natalie Setz, stellvertretende Leiterin der Rechtsabteilung des Versorgungsunternehmens MVV Energie in Mannheim. Von den acht Anwälten der Rechtsabteilung bei der MVV sind vier Frauen. „Wir achten darauf, dass ungefähr gleich viele Frauen wie Männer in der Abteilung arbeiten“, beschreibt Ulrich Tödtmann, ehemaliger Chefjurist der MVV, der heute Geschäftsführer der Holding und Vorstand der Verkehrssparte ist. „Es gibt viele gute Juristinnen, und eine gesunde Mischung fördert die Atmosphäre.“

Hinzu kommt: Wer auch noch eine Familie hat, kann sich in großen Unternehmen auf Rechtsfelder spezialisieren, die einen geregelteren Tagesablauf mit sich bringen. Für Juristen in der Energiewirtschaft ist das zum Beispiel das Energiewirtschaftsrecht oder Zivilrecht. Jedoch: Wer als Unternehmensjurist den Weg nach ganz oben schaffen will, sollte den alten bekannten Königsweg in die Chefetage wählen. Er sollte als Vorstandsassistent anfangen und nicht in der Rechtsabteilung. „Das Aufgabenspektrum des Leiters der Rechtsabteilung ist zwar groß. Fachlich gilt es aber oft als zu eng gefasst, um den Weg in den Vorstand zu ebnen“, berichtet Vergütungsexperte Arnulf Tänzer von Kienbaum. Dass ein Konzernjurist in einem Unternehmen an die Spitze kommt, ist nach wie vor selten. Eine der wenigen Ausnahmen ist Margret Suckale, Vorstand für Personal und Arbeitsdirektorin der Deutschen Bahn. Vor dem Wechsel in die Beletage war sie Chefjuristin.

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