Vergütungen: Genug vom Lotteriespiel

Vergütungen
Genug vom Lotteriespiel

Die Unternehmen beschneiden den Wildwuchs bei den Vergütungen ihrer Top-Manager. Bereits über ein Drittel der Dax-Unternehmen, hat modernere Verfahren als simple Aktienoptionen eingeführt, um Managerleistungen zu belohnen.

Europa wächst zusammen – das gilt zumindest für die Gehälter der Top-Manager. „Egal, ob in Frankreich, Deutschland, Italien, der Schweiz oder Großbritannien – Vorstandsvorsitzende verdienen heute alle in etwa gleich viel“, hat Petra Knab-Hägele, Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung Towers Perrin Deutschland, ermittelt. In konkreten Zahlen heißt das: In Deutschland erhält ein Vorstandschef im Schnitt 1 181 292 Euro im Jahr. Ein Chief Executive Officer in Großbritannien steht mit 1 184 936 Euro nur geringfügig besser da. Der Kollege in Frankreich verdient hingegen mit 1 202 145 Euro noch ein bisschen mehr. Die Berater haben hierfür die Daten zur Vergütung von Top-Managern aus Projekten bei rund 2 000 Unternehmen weltweit ausgewertet. Die Studie liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Doch die Summen auf den Dezember-Gehaltszetteln täuschen: „In der Zusammensetzung nämlich unterscheidet sich die Vergütung der Top-Manager in den europäischen Kernländern deutlich“, berichtet Beraterin Knab-Hägele. Das Problematische: Deutschland bleibt unrühmlicher Spitzenreiter bei den kurzfristigen Variablen und Boni. Nur ein Drittel des Gehalts deutscher Manager besteht aus dem Fixum. Unrühmlich, weil es als ausgemachte Sache gilt, dass Kurzfristanreize das falsche Mittel sind, um einen dauerhaften Unternehmenserfolg sicherzustellen.

Ein weiteres Drittel aber machen kurzfristig wirksame variable Gehaltsbestandteile aus. Mit Folgen für das Unternehmen: Deutsche Manager haben oft nur den Jahresabschluss im Kopf – nicht aber die langfristigen Ziele. Für die Vorstandschefs in Deutschland zahlt es sich aus, schnelle Erfolge vorzuweisen – ob diese auf Dauer vorteilhaft sind fürs Unternehmen, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Langfriststrategien dagegen, die langen Atem erfordern und sich eben nicht unmittelbar positiv in der Bilanz niederschlagen, werden hier zu Lande weniger belohnt. Lediglich ein Viertel der Managervergütung in Deutschland besteht aus langfristigen Leistungsanreizen. Obwohl diese derzeit unter Vergütungsexperten als brauchbarstes Instrument gelten, um Manager anhaltend über die Vergütung zu motivieren – zum Wohle des Unternehmens.

Dass es auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel Frankreich: Im Nachbarland hat Towers Perrin die höchsten Anteile langfristig orientierter Incentives bei den Managergehältern beobachtet. Sie machen dort immerhin rund ein Drittel des Gehalts aus. Ein Trend, der in vielen Industrieländern zu beobachten ist: Aktienoptionen kommen aus der Mode. In Europa und Nordamerika werden sie immer seltener genutzt. Der Grund: In der Vergangenheit zeigte sich, dass der Aktienkurs im Laufe eines Jahres von zu vielen Faktoren abhängt, die nicht direkt dem Management zuzurechnen sind. „Die Folge war, dass mal Riesenbeträge ausgezahlt wurden und mal gar nichts. Ohne dass dies direkt im Zusammenhang mit der Führungsleistung stand“, erzählt Knab-Hägele. „Von dem Lotteriespiel hat man genug.“

Bereits über ein Drittel der Dax-Unternehmen, hat modernere Verfahren als simple Aktienoptionen eingeführt, um Managerleistungen zu belohnen. Zum Beispiel Siemens: Seit zwei Jahren nutzen die Münchener so genannte Siemens Stock Awards, bei denen Führungskräfte Aktien erst nach vier Jahren erhalten. Auf diese Weise will der Konzern langfristiges Strategiedenken attraktiver machen als das kurzfristige Schielen auf Quartalsziele.

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