Vergütungsexperten kritisieren Übergangsgelder
Kritik an „Sorglos-Paketen“ für Vorstände

Eine öffentlich kaum beachtete Pensionsregelung für Manager alarmiert Vergütungsexperten und Arbeitsrechtler. Seit bekannt ist, dass der EnBW-Chef Utz Claassen auch nach seinem Ausscheiden ein sechsstelliges Gehalt beziehen wird, mehrt sich die Kritik an den Renten auf Lebenszeit. Personalberater warnen vor einem Imageschaden für die gesamte deutsche Managerriege.

DÜSSELDORF. Die Pensionsregelungen für viele deutsche Vorstände verstoßen gegen die Grundsätze guter Unternehmensführung. Vergütungsexperten, Arbeitsrechtler und Aktionärsvertreter protestieren gegen Intransparenz und überzogene Zusagen. Der Hintergrund: Viele deutsche Unternehmen zahlen ihren Ex-Vorständen schon vor dem Eintritt ins Rentenalter üppige Übergangsgelder, die faktisch einer Frührente gleichkommen. „Das Thema ist derzeit sehr in der Diskussion“, sagt Alexander von Preen, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum. „Der Fall Utz Claassen hat die Leute aufgeweckt.“

Claassen, der Vorstandsvorsitzende der Energie Baden-Württemberg (EnBW), wird den Stromversorger in sechs Wochen vorzeitig verlassen. Obwohl er damit nicht einmal eine komplette Amtszeit absolvierte und nach eigener Darstellung freiwillig geht, kann Claassen bereits im Alter von 44 Jahren Übergangsgeld geltend machen. EnBW-Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann bestätigte in einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, „dass Herr Prof. Claassen unmittelbar nach Beendigung seiner Tätigkeit für die EnBW Anspruch auf Versorgungsbezüge hat.“

Claassens Tätigkeit endet am 30. September. Die genaue Höhe seiner Versorgungsbezüge ist nicht bekannt. Aus dem Geschäftsbericht 2006 lässt sich jedoch ableiten, dass es sich um knapp 400 000 Euro pro Jahr handeln könnte. Claassen und die EnBW lehnten auf Nachfrage eine Stellungnahme hierzu ab.

Sollte Claassen eine neue Tätigkeit beginnen, würde sein Gehalt zwar angerechnet. Andernfalls könnte er jedoch bis zum Erreichen der Altersgrenze von 63 Jahren Übergangsgeld erhalten. Die EnBW würde Claassen demnach bis 2026 noch einmal rund sieben Mill. Euro zahlen, nachdem er von 2003 bis 2007 schon mehr als zwölf Mill. Euro als normale Vorstandsvergütung erhielt. Nach 2026 bekommt Claassen dann eine EnBW-Rente, die genau so hoch ist wie sein Übergangsgeld.

Arbeitsrechtler verurteilen solche Doppel- und Dreifachabfederungen als grundsätzlich unangemessen. „Es ist keine Rechtfertigung dafür ersichtlich, einem Vorstand nach seinem Ausscheiden noch 18 Jahre lang bis zur Pension sechsstellige Summen zu überweisen“, sagt der Fachanwalt Alexander Burger von der Stuttgarter Kanzlei Kasper Knacke Wintterlin & Partner. „Das sollte die Aktionäre nachdenklich stimmen.“

Auch der Kienbaum-Vergütungsexperte von Preen meint: „Die Bezahlung sollte sich an der Leistung und Tätigkeitsdauer orientieren. Was da bei der EnBW passiert, tut der gesamten Managerriege nicht gut und bedient unnötig den Neidkomplex.“

EnBW-Aufsichtsratschef Hoffmann bezeichnet die Zahlungen als „nicht marktunüblich.“ Tatsächlich gewähren rund ein Drittel der deutschen Unternehmen ähnliche Übergangsgelder, wie aus einer aktuellen Kienbaum-Untersuchung bei rund 1500 deutschen Kapitalgesellschaften hervorgeht. Die Ausgestaltung der Pensionsregeln allerdings ist extrem unterschiedlich und intransparent.

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