Verkaufen oder halten?
Aktienbesitzer in der Zwickmühle

Führungskräfte, die Aktien des eigenen Unternehmens abstoßen wollen, stecken in einem Dilemma: Alllzu schnell geraten sie in den Ruch, die Firma verlassen zu wollen oder gar Insiderwissen zu nutzen. Die Anteile bis zum Ausscheiden zu behalten, ist auch keine Lösung. Doch es gibt Auswege.

jul DÜSSELDORF. Der Deal der Deutsche-Post-Vorstände offenbarte ein Dilemma, in dem viele Manager stecken – sie schaden ihrer Firma, ohne es zu wollen: Die Vorstände der Deutschen Post nutzten ihre erste Chance. Die Sperrfrist für ihre Aktienoptionen war gerade ausgelaufen, die Zahlen des Konzerns am 28. Juli publiziert. Fünf der acht Post-Vorstände machten Kasse und stießen insgesamt knapp 500 000 Aktien ab. Wert: Über zehn Millionen Euro. Alles völlig legal. Aktienoptionen gehören zur Vorstandsvergütung, und die Manager verkauften, als die Post gerade alle Informationen auf den Tisch gelegt hatte.

Trotzdem ein schlechtes Zeichen – jedenfalls in den Augen der Aktionäre. „Immer wenn Vorstände eigene Aktien verkaufen, wird das als Negativsignal für den Kurs gewertet“, hat Olaf Stotz vom Forschungsinstituts für Asset Management in Aachen bewiesen. Und zwar selbst wenn die Manager die Firma gar nicht verlassen.

Als Angestellte bleiben Führungskräfte heute oft nur wenige Jahre in einer Firma und müssen in dieser Zeit möglichst gut für sich vorsorgen. Deshalb geben die Unternehmen ihnen etwa Aktienoptionen, damit sich das persönliche Interesse ihrer Manager mit dem der Aktionäre deckt – also den Aktienkurs zu steigern. „Doch sobald die Manager verkaufen, kommen sie ruck, zuck in den Ruch, Insiderwissen genutzt zu haben“, warnt Petra Knab-Hägele, Vergütungsexpertin bei der Managementberatung Towers Perrin in Frankfurt. „ Man unterstellt ihnen zudem immer, dass sie das Vertrauen in ihr eigenes Unternehmen verloren hätten.“

Die Zwickmühle: Haben sie erst gar keine Aktien ihres Unternehmens, wirkt das auch nicht besser. Das signalisiert fehlende Identifikation. Fazit: „Manager, die ihren guten Ruf nicht riskieren wollen, verkaufen ihre Firmenanteile am besten erst, wenn sie das Unternehmen längst verlassen haben“, rät Gerald Reger, Anwalt bei der Kanzlei Nörr Stiefenhofer Lutz.

Was aber können Manager tun, um sich vor Verdächtigungen und unangenehmen Ermittlungen zu schützen? „Ihre Firmenanteile bis zum Ausstieg aus dem Unternehmen zu halten, ist keine richtige Lösung“, meint Olaf Stotz vom Forschungsinstitut für Asset Management mit Blick auf die gesamte Vermögenssituation der Führungskräfte. „Denn schließlich sind die Manager durch ihren Arbeitsvertrag schon abhängig von ihrem Arbeitgeber. Das Unternehmen auch noch im eigenen Aktienportfolio überzugewichten, wäre zu riskant,“ warnt Stotz.

Ein Weg, sich zumindest gegen den Vorwurf des Insiderhandels abzusichern, ist, Stichtage für das Einlösen von Aktienoptionen schon weit im Vorfeld offiziell festzulegen und mit Limits vor Verlust zu sichern. Vor allem aber die Unternehmen müssten in jedem Einzelfall die Hintergründe direkt offenbaren, um gleich Irrtümern über vermeintlich brenzligen Situationen vorzubeugen. Ihr Kardinalfehler: Sich von den Verkäufen ihrer Chefs zu distanzieren und sagen, es sei „ihre Privatsache“. Stotz: „Nichts spricht dagegen, sogar schon im Vorfeld zu erklären, dass die Sperrfrist eines Aktienoptionsprogramms bald ausläuft und damit zu rechnen ist, dass Manager ihre Optionen ziehen.“

„Zudem können Unternehmen die Verwaltung der Wertpapiere ihrer Manager auch Treuhändern überlassen,“ rät Beraterin Knab-Hägele. „Damit ist von vornherein ausgeschlossen, dass Käufe oder Verkäufe mit Insiderwissen geschehen und falsche Signale an die Aktionäre aussenden.“ Manager, die dem Dilemma entgehen wollen, machen mit der Firma am besten folgenden Deal: Sie lassen sich von ihr den Wertzuwachs der Aktien auszahlen. Dann ist keine Meldung an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und an die Aktionäre nötig

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