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Vernichtendes Urteil über Medizin-Ausbildung in Witten-Herdecke

Der Wissenschaftsrat hat ein vernichtendes Qualitätsurteil über das Medizin-Studium an der Privatuniversität Witten-Herdecke gefällt.

dpa BERLIN. Der Wissenschaftsrat hat ein vernichtendes Qualitätsurteil über das Medizin-Studium an der Privatuniversität Witten-Herdecke gefällt. Das Expertengremium fordert in einer am Freitag in Berlin verabschiedenen Erklärung die Hochschule auf, ab sofort keine Neueinschreibungen von Studenten vorzunehmen. Der Beschluss liegt der dpa vor.

Angesichts von gravierenden Problemen bei der Ausbildungsqualität empfiehlt der Wissenschaftsrat, den Studiengang Humanmedizin völlig neu zu ordnen oder ganz einzustellen. Witten-Herdecke ist die einzige Privathochschule in Deutschland, die auch medizinische Studiengänge anbietet. Die Anfang der 80er Jahre gegründete Universität war von Befürwortern als Einstiegsmodell in eine mehr privatwirtschaftlich organisierte Hochschullandschaft angesehen worden.

Der Wissenschaftsrat hält es „für nicht länger verantwortbar, die Medizinerausbildung in ihrer derzeitigen Form fortzuführen“. Während die Leistungen in Forschung und Lehre in den anderen Studiengängen der Hochschule „den wissenschaftlichen Ansprüchen einer Universität entsprechen“, gelte dies für die Humanmedizin nicht, heißt es in dem Beschluss weiter.

Bemängelt werden „inhaltliche und strukturelle Schwächen in Lehre und Forschung“. Auch besitze die Hochschule „keine überzeugenden Vorstellungen zur inhaltlichen wie personellen Bewältigung“ der durch die neue Approbationsordnung gestiegenen Anforderungen für die Ärzteausbildung. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte den Wissenschaftsrat gebeten, die Hochschule im Rahmen eines üblichen Akkreditierungsverfahrens zu begutachten.

Mit einem „Studium fundamentale“, einem aufwändigen Auswahlsystem für Studienbewerber und hohen Studiengebühren, die nach Abschluss der Ausbildung einkommensabhängig abzuzahlen sind, hatte die Hochschule neue Wege beschritten. Von den knapp 950 Studenten der Hochschule ist ein Drittel im Studiengang Humanmedizin eingeschrieben.

Die Privatuniversität hatte bei ihrer Gründung die Zusage abgegeben, sich ausschließlich mit Hilfe von Sponsoren oder Forschungserträgen zu finanzieren und weder Studiengebühren noch Landeszuschüsse zu beantragen. Wegen geringer Spendenerträge musste das Land NRW jedoch zeitweise pro Student mehr Zuschüsse zahlen als an eine staatliche Hochschule. Inzwischen verpflichten sich die Studenten in Witten-Herdecke, nach Abschluss der Ausbildung über acht Jahre hinweg acht Prozent ihres Einkommens an die Uni als Gebühren zurückzuzahlen. Eine Erhöhung ist geplant.

Der Wissenschaftsrat berät als unabhängiges Expertengremium Bund und Länder in Fragen der Hochschul- und Forschungspolitik. Zu der Entscheidung über Witten-Herdecke waren auch externe Sachverständige hinzugezogen worden.

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