Verzicht als Trend
Ein Dollar für ein Jahr Arbeit

Nicht der Porsche, nicht das neueste elektronische Spielzeug und nicht das geräumigste Haus gelten neuerdings als das Statussymbol von US-Managern - sondern der Verzicht: Etliche Firmenlenker verzichten auf ihr Salär und arbeiten für einen symbolischen Dollar. Wenn es nur die ganze Wahrheit wäre ...

LOS ANGELES. Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin verzichten drauf. Steve Jobs von Apple auch. Und selbst der als äußerst geizig geltende Dreamworks-Boss Jeffrey Katzenberg nimmt keinen monatlichen Gehaltsscheck mehr. Für nur einen Dollar Jahresgehalt verrichten diese Multimilliardäre ihren Job. Tagtäglich.

Ein Dollar Jahressalär? „Es gilt gar als das neue Status-Symbol in der Welt der Manager“, erklärt Graef Crystal, Spezialist für Manager-Vergütung aus Los Angeles. Es ist ein Demo-Akt für die Belegschaft, die sich durch schwere ökonomische Zeiten manövrieren muss. Und ein Fingerzeig für die Aktionäre. Getreu dem Motto: Seht her, wir Chefs opfern uns auf für einen guten Börsenkurs.

Dabei ist der One-Dollar-Man, wie er in den USA auch heißt, nur die halbe Wahrheit. Page und Brin zum Beispiel, die in Interviews immer wieder gerne erzählen, dass sie auch keine jährlichen Boni erhalten, haben seit dem Börsengang ihrer Firma vor zwei Jahren rund 2,2 Milliarden beziehungsweise 1,8 Milliarden Dollar an Aktienoptionen eingelöst. Weitere 13 Milliarden Dollar halten die Google-Gründer noch im Aktienportfolio.

Ähnlich sieht es bei Steve Jobs aus. Der hat sich auf den Deal mit dem einen Dollar schon 1998 eingelassen. Er war der erste Chef einer Fortune 500-Firma, der ein Gehalt von nur einem Dollar kassierte – wenngleich er im eigenen Firmenjet herumdüste, der das Unternehmen etwa 90 Millionen Dollar kostete. Sein heutiger Aktienbesitz ist nach Schätzungen der Zeitung „Los Angeles Times“ rund 670 Millionen Dollar wert. Ach ja, und als Boss von Pixar – auch hier bekommt er von der Honorarabteilung einen wöchentlichen Scheck von nur einem Dollar zugestellt – gehören ihm etwas weniger als 50 Prozent der Firma. Disney kauft Pixar für rund 7,4 Milliarden Dollar. Dies bedeutet, dass Jobs ein Anteil von etwa 3,7 Milliarden Dollar gehört.

Der Verzicht der Chefs aufs Gehalt ist eigentlich als große Geste für die Aktionäre und die Mitarbeiter gedacht. Dem Grundgedanken folgend: Ich bin schon so wohlhabend, da müsst ihr mir nicht auch noch ein Gehalt oben drauf zahlen. „Aber es steht außer Frage: die Chefs dieser Unternehmen arbeiten nicht für lau“, erklärt Tom LaWer, ein Silicon Valley-Anwalt, der sich auf Entlohnung für Vorstandsmitglieder spezialisiert hat.

Besonders nach dem Dot.Com-Crash hatten viele wohlhabende Geschäftsführer diese Strategie angewandt, um die Aktionäre bei Laune zu halten – trotz Kursen, die in den Abgrund stürzten. Oftmals wurden diese Solidaritätskundgebungen in Hinterzimmern dann durch Aufsichtsräte vom Tisch gefegt, indem die Vorstandschefs heimlich Vertragspakete aushandelten.

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