Visitenkarten können Ausstiegshilfe, Filter und Gesprächslieferant sein
Eleganter Absprung

Visitenkarten können Ausstiegshilfe, Filter und Gesprächslieferant sein. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier .

Haben Sie geahnt, dass ihre Visitenkarte Sie retten kann? Dass Sie Ihnen als Sprungbrett dienen kann? Wenn Sie zum Beispiel bei einem Empfang mit vielen Geschäftsleuten in einer Runde stehen, aus der Sie sich verabschieden möchten. Weil Sie noch jemand anderen im Raum begrüßen möchten. Weil Ihnen die Gesprächspartner dieser Runde nicht die liebsten sind. Oder weil dasThema Sie nicht begeistert. Jetzt kommt Ihre Karte zum Einsatz, für den eleganten Absprung. Sie zücken sie, bedanken sich ausdrücklich für das interessante oder gute Gespräch und verabschieden sich mit den Worten, "Hier ist meine Karte". Dann formulieren sie je nach Situation: "Ich würde mich freuen, wenn wir uns nochmal wieder sähen"; "Wir haben sicher beide noch ein paar interessante Gesprächspartner hier zu finden und ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend" oder "Lassen Sie uns morgen telefonieren."

Das Problem ist nur: Ist es für andere Umstehende diskriminierend, nicht gleichzeitig eine Karte zu bekommen? Ein Faux Pas ist es hier nicht, sie wird einzeln übergeben in größeren Runden. In kleiner Runde sollte man nicht geizig sein. In Asien ist es die eherne Regel. Unumstößlich. Da gehört es zum Zeremoniell, zur normalen Begrüßung. Auch wenn sich ein Europäer dabei drollig vorkommt.

Was Sie aber auch im Umgang mit Chinesen und Japanern dürfen: Ihnen Ihre Visitenkarte nur mit einer Hand geben, auch wenn Sie selbst die Karte immer mit beiden Händen überreichen. Tun Sie nur eins nicht, weil sonst beide Seiten ihr Gesicht verlieren: Reden Sie Ihren neuen Gesprächspartner nicht mit dem Namen an, der als zweiter auf seiner Karte steht - denn Sie können sicher sein, dass der zweite Name tatsächlich sein Vorname ist. Manche Asiaten sind es schon leid, und haben sich selbst einen Joseph, Richard oder eine Elisabeth vor ihren Nachnamen geschrieben.

Doch zurück zur Visitenkarte als Vehikel: Mir ist es schon passiert, dass ich den Namen von Menschen vergessen hatte oder für welche Firma sie arbeiten. Da gibt es den einfachen Trick, kurzerhand die eigene Visitenkarte direkt zu überreichen. Fast jeder kontert mit seiner Karte - und Sie sind schnell wieder im Film. Mehr noch: Die Visitenkarte liefert immer Stichworte für das weitere Gespräch. Und wenn es nur die Stadt ist, in der ich gerne shoppe.

Als Gast ist es wichtig, so schnell wie möglich Klarheit zu bekommen, ob mein Gesprächspartner für meinen Beruf oder meine Firma wichtig sein kann. Je eher ich nämlich direkt auf der Visitenkarte sein Unternehmen und seine Position nachlesen kann, umso schneller kann ich zum Punkt kommen - oder den Absprung suchen. Siehe oben.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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