Von Personal-Service-Agenturen droht Ungemach
Das Ende der „Zeitarbeit“

Die Branche erlebt ein Wechselbad von Fort- und Rückschritt. Wenn 2004 das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz in Kraft tritt, können die Zeitarbeitsunternehmen ihre Mitarbeiter ohne Befristung an andere Firmen überlassen.

„Ein neuer Begriff ist uns noch nicht eingefallen“, sagt Dieter Scheiff, der mit diesem Mangel aber leben kann: Als Vorstandsvorsitzender der DIS AG, dem fünftgrößten Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland, leidet er nicht wirklich darunter, dass seiner Branche der Name abhanden zu kommen droht.

Wenn im kommenden Jahr das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz in Kraft tritt, können die Zeitarbeitsunternehmen ihre Mitarbeiter ohne Befristung an andere Firmen überlassen – bisher ging dies höchstens für 24 Monate. Damit hat sich vom Sinn her die Bezeichnung „Zeitarbeit“ eigentlich erledigt.

„Leiharbeit“ hält Scheiff aber auch für falsch: Viele Mitarbeiter der DIS AG, die sich auf gut qualifizierte Fach- und Führungskräfte spezialisiert hat, seien schon zehn Jahre dabei. Sie schätzten es, immer mal wieder die Aufgabe zu wechseln und mehrere Arbeitgeber kennenzulernen – da sei eher der Begriff des Wanderburschen angebracht, der unterschiedliche Arbeitsweisen kennenlernen möchte.

Ungemach für die Branche sieht Scheiff aber von den Personal-Service-Agenturen kommen: „Das ist ganz fürchterlich, was da passiert.“ Diese Gewächse aus dem Kräutergarten von Peter Hartz würden hoch subventioniert – mit der eigentlich guten Idee, die auf Zeit vermittelten arbeitslosen Arbeitnehmer wieder fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, unter anderem durch Weiterbildung.

Scheiff beobachtet aber, dass die Agenturen die Subventionen nutzen, um die Preise zu senken und ihre Leute billigst an den Mann zu bringen: „Es ist schon von Stundenlöhnen von 3,60 Euro die Rede“, stellt Scheiff fest.

Die Folgen dürften verheerend sein, befürchtet Scheiff: „Wenn ein Schlosser für acht Euro zu haben ist, dann sind hinterher normale Preise nicht mehr möglich.“ Scheiff prophezeit: „Es wird sich ein zweiter, subventionierter Arbeitsmarkt für niedrig qualifizierte Kräfte auftun, der sofort zusammenbricht, wenn die Subventionierung endet.“

Zudem gebe es bereits Fälle, in denen Unternehmen ihre Stammarbeitskräfte entließen, um sie durch billige Kräfte aus einer Agentur zu ersetzen: „Da entsteht ein Drehtür-Effekt, der nicht im Sinne des Erfinders sein kann.“

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