Vor 50 Jahren starb der Mitbegründer der Betriebswirtschaftslehre
Schmalenbachs Lehre prägt Studenten noch heute

An dem Namen Eugen Schmalenbach kommt kaum ein Wirtschaftsstudent vorbei. Schon vor über 80 Jahren hat der gebürtige Westfale seine ersten Theorien über Bilanzierung und Kostenrechnung entwickelt und damit die betriebswirtschaftliche Lehre entscheidend geprägt. Und noch heute – genau 50 Jahre nach seinem Tod – zählen Schmalenbachs Bücher und Schriften zu den Standardwerken in der BWL.

HB DÜSSELDORF. Unter Wirtschaftswissenschaftlern gilt Schmalenbach als einer der Begründer der BWL. „Schmalenbach hat die moderne betriebswirtschaftliche Lehre entscheidend mitgeprägt“, sagt Barbara E. Weißenberger, Professorin an der Universität Gießen. Und auch in der Praxis lebt Schmalenbachs Werk weiter. „Wer ein Unternehmen erfolgreich führen will, kommt um die Theorien nicht herum“, sagt Werner Turck, Geschäftsführer des gleichnamigen Industrieautomationsbetriebs.

Bereits eines seiner ersten Bücher, die „Grundlagen der dynamischen Bilanz“, gilt noch heute als richtungweisend. Während vor Schmalenbachs Zeit Bilanzen vor allem von Juristen beachtet wurden, die am Jahresende lediglich prüften, ob das Vermögen eines Unternehmens ausreicht, um dessen Schulden zu decken, sah Schmalenbach in den Zahlen mehr.

Er entwickelte ein Konzept, nachdem die Bilanz Aufschluss über den Erfolg eines Unternehmens geben konnte, indem die Gewinne einzelner Perioden verglichen werden. „Damit hat Schmalenbach die theoretischen Grundlagen für die Tätigkeit des Wirtschaftsprüfers gelegt, die noch heute gültig sind“, sagt Norbert Winkeljohann, Vorstandsmitglied bei Pricewaterhouse Coopers.

Zudem hat Schmalenbach, der stets die enge Verzahnung von Theorie und Praxis forderte und selbst immer wieder kleinere Unternehmen gründete, frühzeitig die wachsende Bedeutung von fixen Kosten erkannt, die unabhängig von dem Beschäftigungsgrad entstehen. Daher sah er bereits vor einigen Jahrzehnten die Tendenz zur Bildung von Kartellen voraus.

Doch Schmalenbach hat sich damit nicht begnügt. Bereits in dem väterlichen Eisen verarbeitenden Betrieb erkannte er, dass infolge der wachsenden Größe der Unternehmen sich unter den Angestellten eine Art Beamten-Mentalität breit machte.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat er am Ende seiner Lehrzeit das Postulat „Mehr Markt im Betrieb“ geprägt. Die einzelnen Abteilungen sollten mehr Eigenverantwortung übernehmen und die innerhalb des Konzerns erbrachten Leistungen den anderen Bereichen in Rechnung stellen. Nach Schmalenbachs Theorie sollten die einzelnen Abteilungsleiter damit wie Unternehmer agieren und so die Gewinne des Gesamtkonzerns steigern. Noch heute sind Ausläufer dieser Theorie als innerbetriebliche Verrechnungspreise oder Profit-Center in großen Konzernen zu erkennen.

Für fortgeschrittene Wirtschaftsstudenten ist ein Blick in die Werke von Schmalenbach daher Pflicht, sagt Weißenberger. Denn viele der heutigen Ideen, hätten ihren Ursprung in den Jahrzehnte alten Theorien.

Leben und Lehre

Ausbildung: Eugen Schmalenbach wird 1873 in der westfälischen Stadt Halver geboren. 1890 muss er aus finanziellen Gründen das Gymnasium verlassen. Ein Jahr später beginnt er eine kaufmännische Ausbildung. Ab 1898 besucht er die Handelshochschule Leipzig.

Lehrzeit: Nach dem Abschluss bewirbt er sich als Dozent an der Handelshochschule Köln. 1906 wird er zum Professor berufen und gründet die „Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung“. Am 20. Februar 1955 stirbt Schmalenbach. Das Andenken an ihn wird von der „Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft“ gepflegt.

Literatur: Die Initiative Pro Halver hat unter dem Titel „...indem man sich selbst treu bleibt“ eine Biographie über Schmalenbach herausgegeben. Das Buch (ISBN 3-00-015215-6) kostet 9,80 Euro.

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