Vor allem müssen Aufsichtsräte über hohe soziale und emotionale Kompetenz verfügen
Aufsichtsräte müssen vor allem Vertrauen schaffen können

Für Unternehmen und Headhunter wird es schwieriger, geeignete Aufseher zu finden.

Wenn sich Aufsichtsräte ihren Traumkollegen basteln könnten, dann wäre er zwischen 50 und 65 Jahre alt, blickte auf eine erfolgreiche Karriere, am besten in einem Vorstand oder in der Geschäftsführung zurück, hätte natürliche Autorität, wäre ein strategischer Kopf mit gutem Zahlenverständnis, Urteilsvermögen und anerkannter fachlicher Kompetenz. Vor allem aber, so fand die Münchener Personalberaterin Jacqueline Bauernfeind heraus, müssen Aufsichtsräte auch nach ihrem Selbstverständnis über hohe soziale und emotionale Kompetenz verfügen.

„Die Fähigkeit, Vertrauen zu schaffen, gilt als wichtigstes Kriterium“, berichtet die Headhunterin von einer Befragung zur Unternehmensaufsicht (Corporate Governance), für die sie Ende 2003 etwa 50 Vorstände und Aufsichtsräte aufgesucht hatte. Über Macht oder Funktion alleine erreicht man in diesem Kontrollorgan sehr wenig, hatten ihr die Betroffenen als Erfahrung mitgegeben: Es gebe unterschiedliche Interessen gegenüber dem Vorstand, aber auch innerhalb des Aufsichtsrats, die auf einen Nenner gebracht werden müssen.

Die befragten Führungskräfte waren auch bereit zur Selbstkritik: Sie plädierten dafür, das Höchstalter für die Tätigkeit als Aufsichtsrat auf 70 Jahre zu begrenzen. „Das sind zum Teil noch Clubs honoriger Herren mit gewachsenen Freundschaften“, beobachtete die Personalberaterin. In einer solchen Atmosphäre fiele es schwer, einem Mitglied den Rücktritt aus Altersgründen nahezulegen – eine automatische Altersgrenze schüfe da elegant Abhilfe.

Doch die kommt vielleicht auch aus einer anderen Richtung: Christian Strenger, Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft DWS Investment, Mitglied der Regierungskommission Corporate Governance und einer der von Bauernfeind Befragten, meint, dass die gemütlichen Zeiten für viele Aufsichtsräte vorbei sind: „Das Lesen der Vorlagen während der Sitzung hat in letzter Zeit nachgelassen.“ Ein anderer Aufsichtsrat hatte noch die überwiegende Meinung seiner Kollegen so auf den Punkt gebracht: „Die Qualität und Tiefe der Sitzungsvorbereitung korrelieren direkt mit der Entfernung des Anreiseortes. Je weiter der Anfahrtsweg des Aufsichtsrats ist, desto gründlicher kann er sich vorbereiten.“

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