Vorstandsgehälter
Siemens bringt Anleger und Belegschaft gegen sich auf

Die geplante Anhebung der Bezüge der Siemens-Vorstand um durchschnittlich 30 Prozent hat zu einer bemerkenswerten Allianz geführt: Finanzmarktexperten murren darüber genauso wie die Belegschaft, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Der Konzern selber liefert für die üppige Gehaltssteigerung nur lahme Erklärungen.

HB MÜNCHEN/ERLANGEN. Der Vorsitzende des Betriebsrats am Siemens-Standort Erlangen, Klaus Hannemann, schreibt in einem am Mittwoch bekannt gewordenen offenen Brief an Siemens-Vorstand und -Aufsichtsrat, sei für die Mitarbeiter nicht erkennbar, welche Leistungen diese Einkommenserhöhungen rechtfertigten. Die Belegschaft sei verärgert und überrascht. In dem Brief wird darauf hingewiesen, dass erst vor wenigen Tagen der Hälfte der Erlanger Siemens-Beschäftigten mitgeteilt worden sei, dass die Firma beabsichtige, ihr Tarifentgelt zu senken.

Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer kündigte den Siemens-Managern eine harte Linie bei den Verhandlungen über Einschnitte bei der IT-Sparte SBS sowie der Gemeinschaftstochter Fujitsu Siemens Computers (FSC) an. „Die nun geplante Erhöhung der Vorstandsgehälter wird diese Gespräche sicherlich belasten, wenn den Beschäftigten gleichzeitig große Opfer abverlangt werden sollen“, erklärte der Gewerkschafter. Die Siemens-Spitze will für die Mitarbeiter der krisengeschüttelten IT-Sparte SBS längere Arbeitszeiten bei weniger Gehalt durchsetzen.

Verweis auf lahmende Siemens-Aktie

Auch am Aktienmarkt wurden angesichts der schwachen Kursentwicklung der Siemens-Papiere kritische Stimmen laut. „Was soll der Aktionär davon halten? Am Ende des Geschäftsjahres 2002/03 notierte die Siemens-Aktie um die 60 Euro und kletterte seither um 12,3 Prozent“, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing. In der gleichen Zeit habe der Dax 82,3 Prozent an Wert gewonnen. Auf dem Frankfurter Parkett hieß es am Dienstag, die jüngsten Gehaltserhöhungen des Managements seien „nicht hilfreich“ für den Aktienkurs. Das Siemens-Papier dümpelte am Mittwoch vor sich hin.

Zudem monierten Spitzenpolitiker mehrerer Parteien die Gehaltssteigerung im Siemens-Topmanagement. SPD-Fraktionschef Peter Struck nannte die Ausweitung der Bezüge um 30 Prozent für alle zwölf Vorstände des Unternehmens „instinktlos“. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) betonte, es sei nicht nachzuvollziehen, warum Unternehmen ständig Opfer von Arbeitnehmern erwarteten und zugleich Managerbezüge derartig aufstockten.

Im vergangenen Geschäftsjahr erhielten die Siemens-Vorstände zusammen rund 28 Millionen Euro in bar und in Wertpapieren. Allein Vorstandschef Klaus Kleinfeld bekam 3,3 Millionen Euro. Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer ließ Siemens-Angaben zufolge ein Gutachten anfertigen und kam dann zu dem Schluss, dass die Vorstände des Konzerns im Vergleich mit Managern anderer Dax-Unternehmen unterbezahlt sind.

Siemens: Andere zahlen noch mehr

Ein Siemens-Sprecher verwies am Mittwoch darauf, dass es gängige Praxis sei, dass die Gehälter der Vorstände in regelmäßigen Abständen erhöht würden. Im Hinblick auf vergleichbare Unternehmen liege Siemens bei der Vorstandsvergütung nicht an der Spitze. Nach Informationen des „Spiegel“ will von Pierer die Bezüge der Topmanager des Konzerns künftig in kürzeren Abständen als im bisher üblichen Dreijahresrhythmus überprüfen. Damit sollten Einkommenssprünge wie die jetzt geplanten vermieden werden.

Dem Siemens-Sprecher zufolge werden die erfolgsabhängigen Zieleinkommen der Vorstände um 20 Prozent erhöht. Die Einkommen aus dem direkten Bezug von Aktien sollen um 50 Prozent steigen, sämtliche Aktienoptionen dafür aber wegfallen.

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