Vorstandsgehälter verdreifachten sich in zehn Jahren
Dax-Chefs kassieren üppige Zulagen

Die Vorstandsvorsitzenden der 30 Dax-Konzerne haben in den vergangenen zehn Jahren ihre Vergütung auf durchschnittlich fünf Millionen Euro pro Jahr verdreifacht. Dies zeigt eine Untersuchung, die der auf Top-Manager-Vergütungen spezialisierte Unternehmensberater Heinz Evers für das Handelsblatt erstellt hat.

DÜSSELDORF. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Bezüge danach im Schnitt um 15 bis 20 Prozent gestiegen. Für das abgelaufene Jahr haben erstmals alle Dax-Konzerne die Bezüge ihrer Vorstände individuell ausgewiesen. Die Gesamtbezüge der Vorstände stiegen dabei deutlich schneller als die auf den Leitungsebenen darunter, also bei Direktoren oder Geschäftsführern. Deren Bezüge legten nach den Berechnungen von Evers, einem ehemaligen Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum, in den letzten zehn Jahren nur um ein Viertel zu. Spitzenreiter unter den Vorstandsvorsitzenden im Dax ist Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit Gesamtbezügen von 13,6 Mill. Euro, Schlusslicht ist Tui-Chef Michael Frenzel mit 2,7 Mill. Euro.

Trotz dieses hohen Niveaus sichern sich Top-Manager immer häufiger noch zusätzlich durch so genannte Change-of-Control-Klauseln (CoC) ab. Nach den Recherchen von Evers besitzen inzwischen zwölf Konzerne solche Zusagen für Abfindungen im Falle einer Übernahme oder Fusion, die „sicher nicht in allen Fällen im Interesse des Unternehmens sind“. Die Gefahr ist, dass Manager die üppige Abfindung attraktiver finden könnten als eine weitere Beschäftigung im Unternehmen und deshalb auf einen Verkauf hinarbeiten.

Die finanzielle Absicherung geht bis zum maximal Fünffachen der Jahresgesamtbezüge, etwa bei BASF-Chef Jürgen Hambrecht, Eon-Chef Wulf Bernotat oder Reto Francioni, dem Chef der Deutschen Börse. Darin eingeschlossen ist in der Regel die Vergütung für die restliche Vertragslaufzeit. Hinzu kommen aber noch Ansprüche aus der Altersversorgung in Millionenhöhe. Einige Vorstände „bauen sich mit CoC-Klauseln, Abfindungen und Übergangsgeldern regelrechte Festungen auf“, sagt Berater Evers.

Dabei sind die hohen Vorstandsgehälter ohnehin schon mit dem fehlenden Kündigungsschutz für diese Spitzenmanager begründet. Man brauche aber nur eines, betont Evers: entweder hohe Bezüge oder lukrative Abfindungen. Das Thema ist brisant: Auch die Corporate-Governance-Kommission will ihren Kodex offensichtlich um entsprechende Empfehlungen ergänzen. „Da wird in diesem Jahr etwas kommen“, heißt es im Umfeld der Kommission. Deren Chef Gerhard Cromme hatte erst kürzlich dafür plädiert, Abfindungen auf maximal zwei Jahre zu beschränken, die Laufzeit von Fünfjahresverträgen allerdings beizubehalten. Auf Anfrage wollte sich Cromme dazu nicht äußern.

Kritisch sieht Evers auch den mit etwa 40 Prozent noch zu hohen Anteil an kurzfristig variablen Bezügen. Stattdessen sollten den Vorständen stärkere Anreize zur langfristigen Wertschöpfung geboten werden. Der Berater plädiert für den stärkeren Ausbau der so genannten Long Term Incentives von bisher im Schnitt 20 Prozent auf 30 Prozent. Dazu zählen etwa Optionen, Aktienzusagen oder Boni, die sich an unternehmensinternen Wertekennziffern orientieren.

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