Vorwurf: Ungleiche Bezahlung
Wal-Mart droht bislang größte US-Diskriminierungsklage

Dem Einzelhändler Wal-Mart droht die größte Klage wegen der Diskriminierung von Frauen in der US-Geschichte. Ein Bundesberufungsgericht in San Francisco gab am Dienstag grünes Licht für eine Sammelklage, der sich mehr als eine Million ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen des Konzerns anschließen könnten.

HB SAN FRANCISCO. Wal-Mart wird vorgeworfen, seinen weiblichen Angestellten im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen systematisch weniger bezahlt und sie bei Beförderungen übergangen zu haben. Der Konzern weist dies zurück und will die Zulassung der Sammelklage überprüfen lassen.

„Es ist an der Zeit, dass Wal-Mart die Suppe auslöffelt“, sagte Brad Seligman, ein Anwalt von The Impact Fund, einer Nonprofit-Gruppe in Kalifornien, die im Namen der Klägerinnen auftritt. Diese gehen davon aus, dass sie mehrere Milliarden Dollar an verlorenen Gehältern und Wiedergutmachungen zugesprochen bekommen könnten. Die Hauptklägerin Betty Dukes, die in einer Wal-Mart-Filiale östlich von San Francisco arbeitet, zeigte sich von der Entscheidung des Gerichts hoch erfreut. „Ich bin außer mir vor Freude“, sagte die 56-Jährige.

Die drei Richter nahmen allerdings keinerlei Bezug auf die von Dukes dargelegten Vorwürfe. Sie betonten, lediglich eine formale Entscheidung über den Status als Sammelklage getroffen und so den Standpunkt einer niedrigeren Instanz bestätigt zu haben. Bei einer Sammelklage erwirken Einzelpersonen einen Prozess im Namen einer größeren Gruppe von Betroffenen, die einen ähnlichen Schaden erlitten haben. Im Fall von Wal-Mart haben sich bislang sechs weitere Frauen der Hauptklägerin angeschlossen.

Der weltgrößte Einzelhändler gab sich zunächst gelassen. Die jüngste Entscheidung sei nur ein Schritt in einem längeren Verfahren, betonte Ted Boutrous, der Wal-Mart juristisch vertritt. Der Konzern sei „sehr optimistisch“, dass sich die Angelegenheit bald erledigen werde. Wal-Mart werde zunächst eine Überprüfung durch ein größeres Richtergremium beim selben Bundesberufungsgericht erwirken. Im äußersten Fall sei auch die Einschaltung des Obersten Gerichts nicht ausgeschlossen.

Dukes arbeitet seit fast 13 Jahren für Wal-Mart. Sie hat den Konzern nach eigener Darstellung deshalb verklagt, weil sie sich vor allem bei der Neubesetzung von Stellen benachteiligt fühlte, die intern ausgeschrieben waren. So habe sie drei Jahre als Kassiererin gearbeitet, bevor sie zur Kundenbetreuerin aufgestiegen sei. Manche männliche Kollegen hätten solch eine Stelle bekommen, bevor überhaupt ihre Probezeit vorüber gewesen sei, kritisierte Dukes. Wal-Mart hatte dagegen argumentiert, er gewähre dem Management in jeder seiner 3400 US-Filialen ein großes Maß an Unabhängigkeit bei Personalentscheidungen. Eine Sammelklage sei daher nicht gerechtfertigt.

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