Weibliche Führungskräfte
Für Frauen gilt: lieber zu ausländischen Banken

Bei Assekuranzen und bei Banken gilt: Je höher die Führungsebene, desto geringer der Frauenanteil. In den Vorstandsetagen spielen Frauen in beiden Branchen so gut wie keine Rolle. Die hiesige Finanzwelt sieht in weiblichen Mitarbeitern nur potenzielle Mütter, die nicht befördert werden können.

DÜSSELDORF. Banken und Versicherungen stehen als Arbeitgeber nicht hoch im Kurs. Das zeigt das neue Access-Arbeitgeber-Ranking, für das der Kölner Recruitingdienstleister mehrere tausend examensnahe Studenten befragte. Die Finanzwelt baut massiv Stellen ab, bietet Eltern, die Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen, keine guten Aufstiegschancen und zeigt sich auch sonst als wenig innovativ. Das ist das Image, das Banken und Versicherungen bei den künftigen Leistungsträgern haben. Und es hat sich schon so verfestigt, dass immer weniger Wirtschaftswissenschaftler im Schwerpunkt Banken und Versicherungen ihren Abschluss machen. Vor allem aber bei Hochschulabsolventinnen sind Banken extrem unbeliebt, und auch Versicherungen schneiden kaum besser ab. Einzig in Sachen Work-Life-Balance wecken sie positive Erwartungen. Was wohl damit zu tun hat, dass viele Kreditinstitute nachmittags Punkt 16 Uhr die Schalter schließen.

Doch was erwartet Frauen mit Karriereambitionen wirklich? Auch bei Assekuranzen und bei Banken gilt: Je höher die Führungsebene, desto geringer der Frauenanteil. In den Vorstandsetagen spielen Frauen in beiden Branchen so gut wie keine Rolle. Im mittleren Management, also auf der Ebene der Direktoren und Hauptabteilungsleiter, sind bei den Banken im Schnitt fünf Prozent der Positionen mit Frauen besetzt, bei Versicherungen neun Prozent. Im unteren Management liegt der Anteil der weiblichen Abteilungsleiter bei den Banken bei zehn Prozent, bei den Assekuranzen bei 18 Prozent. Ihr häufigstes Karrierehindernis aus Sicht der Personalchefs: die Familienpflichten und die damit verbundene eingeschränkte zeitliche Verfügbarkeit. Soll heißen: Frauen haben keine Zeit für Überstunden.

Doch was so logisch klingt, geht völlig an der Realität vorbei, zeigt eine bundesweite Umfrage unter 161 weiblichen Führungskräften in Banken. 77 Prozent der befragten Chefinnen waren ohnehin kinderlos. „Trotzdem werden sie von ihren eigenen Personalabteilungen als potenzielle Mütter eingestuft“, staunt Marion Festing, Professorin an der privaten europäischen Wirtschaftshochschule ESCP-EAP in Berlin.



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„Seit den 70er-Jahren hat sich wenig getan“, urteilt Heinz Evers, Vergütungsexperte in Gummersbach. „Damals waren die Frauen noch schlechter ausgebildet, heute zählt das Argument nicht mehr.“ Auch bezahlt werden Frauen immer noch schlechter. Evers: „Im Schnitt hinken sie bei Banken und Versicherungen zwischen 15 Prozent auf der zweiten Führungsebene und 20 Prozent auf der ersten Führungsebene unterm Vorstand den Männern hinterher“, so Evers.

Hauptgrund für das Gefälle: Frauen sind zu selten da, wo die Musik spielt. Man nimmt sie nicht wahr. „Sie gehen in Abteilungen, die weniger Mobilität fordern und mehr Planungssicherheit bieten. Statt im Vertrieb arbeiten sie im Risikomanagement oder in der Schadensregulierung“, bestätigt Tiemo Kracht von der Managementberatung Kienbaum. „In puncto Professionalität der Personalarbeit und Chancengleichheit ist der einzige Vorteil von Großunternehmen die Damentoilette auf der Chefetage“, spottet ein westfälischer Personalberater. Sein Tipp: Frauen sollten bei ausländischen Finanzdienstleistern anheuern. Bei der Citibank sind bereits 40 Prozent der Filialleiter Frauen.

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