Weibliche Rivalität im Berufsleben
Giftende Bienenkönigin

Das Konfliktpotenzial und der Wettbewerb unter Frauen im Job scheint wesentlich höher zu sein als bisher angenommen. Warum Frauen im Job häufig keine Nebenbuhlerin dulden und Stutenbissigkeit kein Märchen ist.

LOS ANGELES. Emmy-Gewinnerin Felicity Huffman spielt in der US-Erfolgsserie „Desperate Housewives“ eine Mutter von drei Kindern. Eine neue Chance, wiedergewonnene Motivation und ein verständnisvoller Ehemann treiben sie zurück in ihren anstrengenden Managerjob. Dort stellt sie allerdings schnell fest, dass sich die Zeiten geändert haben.

Ihre Chefin zeigt keinerlei Verständnis für freigehaltene Babyabende, Elternsprechzeiten und Theatervorstellungen in der Schulaula. Im Gegenteil: Die ehrgeizige, allein stehende Mittdreißigerin verlangt von ihrer Untergebenen, nach Feierabend noch schnell mit ihr in eine Bar zu huschen, um der frustrierten Top-Verdienerin Gesellschaft zu leisten. Als Huffman nach dem dritten Barabend doch lieber ihre Kinder ins Bett bringen möchte, beginnt das Mobbing. „Wenn Sie keine Energie für den Extra-Einsatz aufbringen können, sehe ich für Sie hier keine Zukunft“, giftet ihre Chefin sie an.

Willkommen in Hollywood? „Keineswegs“, urteilt Nan Mooney, „Queen Bee“-Opfer und Autorin des neuen US-Bestsellers „I can’t believe she did that“. Als Queen Bee wird in den USA eine Managerin bezeichnet, die wie eine Bienenkönigin keine andere Königin neben sich duldet – und sie deshalb eliminiert.

Nach Interviews mit mehr als 100 Arbeitnehmerinnen ist Mooneys Fazit, dass das Konfliktpotenzial und der Wettbewerb unter den Frauen im Job wesentlich höher zu sein scheint als bisher angenommen. Die als „She Devils“ titulierten stutenbissigen Chefinnen haben in den USA heftige Diskussionen ausgelöst. Hatten bisher besonders Frauenrechtlerinnen dieses Thema ausgeklammert, berichten plötzlich Frauen von New York bis Los Angeles von Zickenalarm im Job.

„Ich bin 31 Jahre alt und dachte eigentlich, dass die Frauen in meinem Alter endlich mal mit diesem kindischen Gezicke aufhören“, erzählt Kimberly, Produktionsmanagerin in einer Werbeagentur in Santa Monica. Und Angie Miller, 35, berichtet gar von einem „geplanten Komplott“ gegen sie: „Ich kam aus dem Urlaub zurück. Und die Weiber in meiner Abteilung hatten sich plötzlich alle gegen mich verschworen“, erzählt die Abteilungsleiterin mit einem sechsstelligen Jahresgehalt.

Warum aber bekämpfen sich Frauen auch noch gegenseitig, wenn die Unternehmensstruktur ohnehin noch zum Großteil von Männern dominiert ist? „Wäre Solidarität nicht der erste Gedanke, um sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen“, fragt auch Autorin Mooney. „Frauen, die auf der Karriereleiter nach oben steigen, werden von anderen Frauen nicht als Komplizin, sondern als Bedrohung gesehen“ – lautet ihr Resümee. Ihre Begründung: Frauen, die mit Frauen zusammen arbeiten, „verspüren einen enormen Druck, immer nett und freundlich zu sein.“ Und diese „übertriebene Freundlichkeit“ führt dazu, dass aufkeimende Konfliktsituationen in der Firma nicht offen diskutiert, sondern „hinter dem Rücken der Kolleginnen“ ausgetragen werden. Das Resultat: eine brodelnde Gerüchteküche, gute Ideen werden geklaut, und versteckte Aggressivität regiert. Besonderer Stein des Anstoßes, so Mooney, ist für Frauen im Job das Thema Familie: „Kinderlose Frauen tendieren dazu, Mütter zu diskreditieren.“ Meist glaubten sie, dass die Mütter nicht mehr so belastbar sind wie sie selbst.

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