Weitebildung Schwerpunkt Finance & Controlling
Gute Zeiten für Controller

Ein Job im Controlling kann der erste Schritt zum Top-Manager sein. Denn quer durch alle Branchen werden freie Chefsessel derzeit gerne mit ausgewiesenen Zahlenprofis besetzt. Die Faustregel für Aufsteiger lautet dabei: Fachwissen ist gut, Führungskompetenz noch besser.

Als junger Produktions-Controller hat Bodo Uebber beim Flugzeugbauer MBB vor etwa 20 Jahren selbst Schrauben gezählt und Herstellungskosten überwacht. Seit wenigen Wochen kontrolliert er als Chef des Verwaltungsrats den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, zu dem auch MBB gehört. Der 49-jährige Wirtschaftsingenieur treibt damit eine erfolgreiche Controller-Karriere weiter voran: Bei MBB stieg er bis zum Leiter der Kosten -und Ergebnisrechnung auf, später leitete er das Controlling beim Triebwerkhersteller MTU und der Dasa. Mit 42 Jahren übernahm er seinen ersten Vorstandsposten als Finanzvorstand (CFO) der Daimler-Finanzierungssparte (damals Daimler Chrysler Services AG) in Berlin und rückte später in den Vorstand von Daimler in Stuttgart auf. In den letzten zwei Jahren war er Mitglied im EADS-Verwaltungsrat, jetzt übernimmt er dort den Vorsitz.

Dass es einem Finanzvorstand mitten in der Krise gelingt, seinen Einfluss weiter auszubauen und die Oberaufsicht über einen der größten Konzerne Europas zu übernehmen, passt ins Bild: Quer durch alle Branchen werden freie Chefsessel derzeit gerne mit ausgewiesenen Zahlenprofis besetzt: "Für CFOs bestehen derzeit gute Chancen, Geschäftsführer zu werden. Ihnen wird am ehesten zugetraut, das Unternehmen aus schlechten wirtschaftlichen Zahlen herauszuführen", bestätigt Sven Hennige, Deutschland-Chef bei Robert Half International in München. Das Unternehmen vermittelt Fach- und Führungspersonal für das Finanz-, Bank- und Rechnungswesen. Qualifizierte Controlling-Spezialisten seien weiter stark gesucht, sagt Hennige, auch wenn besonders US-Unternehmen und deren Töchter Einstellungsstopps hätten.

Dennoch haben Bewerber auch dort Chancen, denn immer mehr Unternehmen besetzen derzeit freie Führungsposten lieber mit Interimsmanagern. Bietet das eigene Unternehmen zu wenig Karriereperspektiven, können sich flexible Controller mit erster Berufs- und Führungserfahrung alternativ als freiberufliche Manager auf Zeit beweisen und später ein paar Karrierestufen höher wieder fest einsteigen.

Egal, ob fest oder frei: Der Job ist anstrengender geworden. "Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat die ohnehin schon hohe Arbeitsbelastung in vielen Unternehmen nochmal deutlich in die Höhe getrieben", sagt Professor Utz Schäffer, Leiter des Instituts für Management und Controlling (IMC) an der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar. Im Extremfall bedeutet das eine 70- statt 60-Stunden-Woche, zeigt eine aktuelle Krisenumfrage des IMC. Auch die Arbeitsmethoden verändern sich: Statt klassischer Planzahlen kommen in unsicheren Zeiten verstärkt Szenarien zum Einsatz. Auch Verfahren zur Risikoanalyse gewinnen weiter an Bedeutung. Um an die erforderlichen Informationen zu kommen, müssen Controller enger denn je mit den anderen Unternehmensbereichen zusammenarbeiten, strategisch denken können und auch das operative Geschäft verstehen.

Routineberichte spuckt die EDV heute meist auf Knopfdruck aus - statt schnöde Zahlen zu präsentieren, ist der Controller zunehmend als interner Managementberater gefragt, der die Daten sinnvoll interpretiert und neue Strategien daraus ableitet. Wem dazu die methodische Kompetenz fehlt, beispielsweise aufgrund eines kurzen, eher praxisorientierten Bachelor- oder FH-Studiums, als Quereinsteiger oder auch, weil der eigene Hochschulabschluss schon länger zurückliegt, dem empfiehlt Professor Schäffer zum Beispiel ein berufsbegleitendes MBA-Studium: In kleinen interdisziplinären Teams wird hier anhand konkreter Fallstudien vor allem trainiert, komplexe Probleme strukturiert zu lösen.

Aber auch wer eine exzellente akademische Ausbildung vorweisen kann, muss auf dem Laufenden bleiben. "Ich kann allen Praktikern nur empfehlen, gute Hochschulkontakte aufzubauen und zu pflegen", sagt Controlling-Professor Utz Schäffer. Gemeinsam mit dem Internationalen Controllerverein ICV betreibt die WHU beispielsweise das Controller-Panel. Rund 800 Controller aller Branchen aus dem deutschsprachigen Raum nehmen mittlerweile an den regelmäßigen Umfragen teil. Im Gegenzug erhalten sie kostenlos Trends und Vergleichsgrößen aus der Praxis sowie die jährliche Einladung zu einem Fachkongress. Außerdem hat die WHU gemeinsam mit 13 großen Unternehmen das Center for Controlling & Management gegründet, um den Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft zu forcieren.

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