Weiterbildung
Einfach Chinesisch

Chinesisch ist zu einer attraktiven Fremdsprache geworden. Trotzdem hält sich nach wie vor hartnäckig das Vorurteil, Mandarin sei eine der schwersten Sprachen der Welt. So viel ist jedenfalls sicher: Die weltweit 40 Millionen Menschen, die die Sprache der Volksrepublik lernen, brauchen Geduld und klare Ziele.

Vor der ersten schriftlichen Prüfung kam das Erwachen: Britta Heidemann las zwar bereits ganze Bücher auf Chinesisch, schreiben konnte sie jedoch noch nicht. Daraufhin verordnete sich die Olympiasiegerin im Degenfechten einen Crashkurs im Lernen von Schriftzeichen: Abdecken, auswendig aufschreiben, vergleichen. Unterwegs malte sie sich die komplizierten Bilder mit dem Zeigefinger in ihre Handfläche.

"Es ist sehr mühselig, Zeichen zu lernen", erinnert sich die Kölnerin. "Man vergisst sie schnell wieder und muss sie täglich hundertfach wiederholen." Die Chinesisch-Prüfung ihres Studiengangs Regionalwissenschaften an der Uni Köln hat sie damals bestanden. Heute schreibt die 26-Jährige ihre Diplomarbeit über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Windkraftindustrie in China, die Quellen dafür liest sie im Original.

Olympiasiegerin Heidemann ist die prominenteste Vertreterin eines neuen Trends: Chinesisch wird zur attraktiven Fremdsprache. Es wird an bald 200 deutschen Schulen gelehrt und ist zum Abiturfach avanciert. An Hochschulen entstehen Studiengänge mit Chinesisch-Bausteinen. Deutsche strömen zum Praktikum in die Volksrepublik. In Schanghai klagen die Vertreter deutscher Unternehmen schon über eine Praktikantenschwemme. China eröffnet weltweit Konfuzius-Institute zur Verbreitung seiner Sprache und Kultur. Hierzulande gibt es inzwischen acht Institute, meist in Partnerschaft mit lokalen Universitäten.

Was 1,33 Milliarden Menschen in der Volksrepublik, 23Millionen Taiwanesen und weitere 40 Millionen Auslandschinesen sprechen, kann keine Nebensächlichkeit sein, ist das Kalkül der Chinesisch-Lernenden. 40 Millionen sollen es weltweit sein. "Chinesisch ist die Sprache der Gegenwart, nicht die Sprache der Zukunft", sagt Peter Hachenberg, Leiter des Konfuzius-Instituts Düsseldorf. Doch mit der Welle der Chinesisch-Lernenden sind auch die Zeiten vorbei, in denen schon ein paar Brocken Chinesisch im Lebenslauf ein Alleinstellungsmerkmal bedeuteten.

Noch wirken sich Chinesisch-Kenntnisse kaum auf das Gehalt aus, doch sie sind bereits ausschlaggebend dafür, ob ein Bewerber den Zuschlag zu einem Job mit ChinaBezug bekommt. "China wird gestärkt aus der Krise hervorgehen und sich anders als vorher auf seinen Binnenmarkt ausrichten", sagt Markus Taube, Leiter der Ostasienwirtschaft der Uni Duisburg-Essen. Der riesige Markt biete Chancen für deutsche Unternehmen. "Bei den meisten deutschen Mittelständlern in China wird es weiter zwei, drei Positionen für Chinesisch sprechende Deutsche geben." Denn ohne Sprachkenntnisse blieben den Deutschen wichtige Informationsquellen verschlossen.

Deutschlands Vorzeige-Sinologe, der ehemalige Postminister Christian Schwarz-Schilling, studierte in den 50er-Jahren. Er beherrscht 3 000 Schriftzeichen und verständigte sich im Land während der Verhandlungspausen mittels schriftlicher Konfuzius-Zitate. "Das öffnete mir alle Türen, so habe ich schnell ein Vertrauensverhältnis aufgebaut", sagt er. Unterhalten konnte er sich in der Landessprache jedoch nicht, denn Chinesisch sprechen sah das Orchideenfach Sinologie damals nicht vor.

Heute ist der Zugang zur lebendigen Sprache viel leichter. Wer sich von der Masse der Jobsuchenden abheben will, lernt Chinesisch intensiv - meist im Nebenfach oder als Zusatzbaustein zu einem sozialwissenschaftlichen, Ingenieur- oder Jurastudium, wie Olympia-Fechterin Heidemann. Sie machte 1994 mit elf Jahren in China Urlaub. Dieser hinterließ so tiefe Spuren bei ihr, dass sie gleich nach der Reisemit einem Sprachkurs begann. In der elften Klasse war Heidemann drei Monate lang Gastschülerin der 25. Mittelschule in Peking und wohnte bei der Familie des Direktors. Mit 18 und 22 Jahren machte die 1,80-Meter-Frau zwei dreimonatige Praktika bei Bayer Peking.

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