Weiterbildung
Kultur ohne Schock

Für globale Unternehmen gibt es inzwischen kein In- und Ausland mehr, sondern nur noch eine Welt. Trotzdem kommt das Personal aus unterschiedlichen Kulturen. Interkulturelle Trainings bereiten Manager, die ins Ausland entsandt werden, darum auf fremde Lebens- und Arbeitsweisen vor.

HB. "Doumo arigatou gozaimasu." Die drahtige Langnase, die die meisten Zuhörer im Saal um Haupteslänge überragt, atmet erleichtert aus, während sie ihr Manuskript zusammenstaucht und sich für die Aufmerksamkeit bedankt. Die Mitarbeiter der Aventis Pharma Ltd., Tokio, spenden reichlich Beifall - auch weil sie stolz sind, dass ihr neuer Chef, der in Österreich geboren ist, nach einem halben Jahr schon eine Rede auf Japanisch hält. Er hat zwar abgelesen und das auch Lautschrift in lateinischen Buchstaben, aber immerhin. Die meisten Manager aus Europa hätten selbstverständlich Englisch gesprochen - und damit an vielen japanischen Mitarbeitern ohne höhere Schulbildung vorbeigeredet.

Peter Löscher, heute Vorstandsvorsitzender von Siemens, ist auf der ganzen Welt zu Hause. Er hat in Wien, Hongkong und Harvard studiert, war für den Chemie-Konzern Hoechst, aus dem Aventis hervorging, in Deutschland, Spanien, Großbritannien, den USA und Japan tätig, und hielt sich anschließend bei General Electric und Merck bevorzugt im angelsächsischen Raum auf. Löscher spricht fließend Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und etwas Japanisch. Seine Frau Marta, eine Spanierin, lernte er in Großbritannien kennen. Der Spagat zwischen den Kulturen, den Löscher elegant vorturnt, gelingt nicht allen so genannten "Expats". Manche scheitern, weil sie schlecht vorbereitet ins Ausland gehen. Dabei können schon drei Trainingstage reichen, um dem berüchtigten Kulturschock vorzubeugen.

Der Siemens-Führung gehören einige Globetrotter an: Industrievorstand Heinrich Hiesinger hat in Indonesien und der Schweiz Station gemacht, Finanzvorstand Joe Kaeser in Malaysia und den USA, Arbeitsdirektor Siegfried Russwurm in Schweden. Auslandsentsendungen sind bei Siemens Alltag. Jährlich schwärmen 1 800 Mitarbeiter aus Deutschland in über 70 Länder aus. Jeder fünfte von ihnen landet in Asien, wo das Unternehmen 66 000 Menschen beschäftigt. Für Training, Begleitung und Reintegration der Expats hat Siemens das so genannte International Delegation Center aufgebaut, einen Rangierbahnhof der Kulturen.

Eine solche Inhouse-Lösung ist natürlich Luxus, den sich vor allem Konzerne leisten. Unter dem Druck, Mitarbeiter ins Ausland zu entsenden, stehen jedoch alle Unternehmen - etwa weil dort die spannendsten Märkte sind. Beispiel Adidas: Den 8. August, den Tag, an dem die Olympischen Spiele in China eröffnet werden, hat sich der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach schon vor Jahren dick im Kalender angestrichen. Asien ist sein wichtigster Beschaffungs- und bald vielleicht auch Absatzmarkt. Vor wenigen Tagen machte in Peking der weltgrößte Adidas-Store auf. Während der Spiele werden zahlreiche Mitarbeiter als Markenbotschafter an den Sportstätten unterwegs sein.

Matthias Malessa, Personalleiter der Adidas-Gruppe, verweist auf die Chancen, die ein Auslandsaufenthalt für die Karriere und die persönliche Entwicklung mit sich bringen. "Insbesondere Asien mit seinem atemberaubenden Wachstum, dem erfrischenden Arbeits- und Lerneifer der Menschen und der kulturellen Vielfalt ist sehr stimulierend in Sachen emotionaler Intelligenz", sagt er. Deshalb zieht sich das Thema Internationalität als roter Faden durch alle Entwicklungsprogramme bei Adidas.

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