Wenn die Gerüchteküche
Schandmäuler ohne Chance

"Schon gehört? - der Chef hat was mit seiner Sekretärin!" Gerüchte wie diese schwirren täglich über Firmenkorridore. Für die Betroffenen kann der entsprechende Flurfunk schnell zum Karrierekiller werden.

DÜSSELDORF. Ein Techtelmechtel mit Untergebenen - gleich ob real oder erfunden - gilt bei Managern immer noch als Zeichen für Führungsschwäche und mangelnde Zuverlässigkeit. Hilfe gegen Schandmäuler naht nun von unerwarteter Seite: den Arbeitsgerichten. In zwei Fällen, in denen die behaupteten Amouren nachweislich erfunden waren, haben Richter einen fristlosen Rauswurf der Gerüchteschleudern für rechtens erklärt.

Der erste Fall trug sich in Südhessen zu. Eine Büglerin in einer kleinen Textilreinigung teilte zwei Kolleginnen mit, eine dritte Kollegin habe "ein Verhältnis mit dem Juniorchef". Die Tratschsuse sparte nicht mit Details: Die Stelldicheins spielten sich immer dann ab, wenn die Lebensge-fährtin des Juniorchefs im Urlaub sei; die Beziehungsbrecherin habe es wohl deshalb auf sexuelle Abwechslung abgesehen, weil ihr eigener Mann seit längerer Zeit krank sei.

Als die angebliche Geliebte von den Erzählungen erfuhr, rastete sie aus: Tagelang schüttelten sie Weinkrämpfe; nach Aussagen von Kolleginnen war sie "der Ohnmacht nahe". Ihrem Arbeitgeber, dem Seniorchef, gegenüber erklärte sie, die Behauptungen seien allesamt erstunken und erlogen; keinen Tag länger werde sie mit der Erfinderin der Lügen zusammenarbeiten. Der Inhaber des Kleinbetriebs handelte prompt. Nachdem die Zustimmung der Hauptfürsorgestelle vorlag, entließ er die zu fünfzig Prozent schwerbehinderte Urheberin der Gerüchte fristlos. Die schwatzhafte Büglerin zog vor Gericht: Da sie seit über zehn Jahre ohne Beanstandungen in der Reinigung arbeite und wegen ihres Alters schwer eine andere Stelle finde, sei die Kündigung rechtswidrig. Das sah das Arbeitsgericht anders.

Die nachweislich falschen Unterstellungen könnten die Autorität des Vorgesetzten massiv beschädigen. Die Reaktion des Opfers zeige zudem, dass der Betriebsfrieden in dem Kleinunternehmen "erheblich beeinträchtigt" sei; da eine räumliche Trennung der Denunziantin und ihres Opfers nicht möglich sei, sei eine sofortige Entlassung der Verleumderin das einzige Mittel gewesen, eine Störung des Betriebsablaufs abzuwenden (Arbeitsgericht Frankfurt am Main, 4 Ca 5471/00).

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