Wer als Mutter in Spanien nicht arbeitet, ist schlecht angesehen – Professionelle Ganztagsbetreuung hilft
Karrierefrauen erobern das Macholand

In Deutschland fast undenkbar, in Spanien nur ein Beispiel von vielen. Ana Patricia Botín hat drei Kinder und ist gleichzeitig Präsidentin der spanischen Bank Banesto und hat damit neben ihrer Familie fast 10 000 Angestellte unter sich.

„Die Großeltern sind enorm wichtig,“ sagt die 43-Jährige. Sie holen mit Begeisterung die Kinder von der Schule ab und unternehmen auch am Wochenende gerne etwas mit ihren Enkeln. Aber auch die moderne spanische Gesellschaft sei wichtig, die Mütter wie sie, die ihre Familie und ihre Unternehmen gleichermaßen gut führen wollen, inzwischen voll unterstütze.

„Im heutigen Spanien ist es nicht gut angesehen, wenn eine Frau zu Hause bleibt – auch wenn sie Mutter ist,“ erklärt Nuria Chinchilla, Organisationsexpertin bei der Businesschule IESE in Barcelona und Autorin des gerade veröffentlichten Buches „La ambición feminina“ (“Der weibliche Ehrgeiz“). Während der Franco-Diktatur wurden Frauen noch unterdrückt. Kinder bekommen war ihre Hauptpflicht, an Studium oder Arbeit war nicht zu denken. „Heute ist die arbeitende Spanierin ein Inbegriff für Demokratie und Modernität,“ sagt Chinchilla. Wer nicht arbeite, gelte als antiquiert – auf solche Frauen werde herabgesehen. So ergab auch Chinchillas Befragung unter weiblichen Führungskräften, dass nur 15 Prozent ihren Job für die Kinder aufgeben würden. Das bedeute aber nicht, dass sie keine Familie haben wollten.

Die mehrfache Mutter Isabel Aguilera, Direktorin der größten spanischen Geschäftshotelkette NH Hoteles, hält Kinder als Ausgleich für enorm wichtig: „Ich brauchte damals beides, eine Familie und eine erfolgreiche Arbeit. Das eine schien mir ohne das andere unmöglich.“ Wer diese optimistische 43-jährige Spanierin anschaut, hat keine Zweifel, dass sie mit ihrer Wahl glücklich ist, „auch wenn ich abends völlig kaputt ins Bett falle“. Chinchillas Untersuchung unterstreicht zudem die Bedeutung des Mannes, der der Mehrheit der befragten Frauen als wesentliche Stütze diene.

Während die Zahl der Frauen in der Wirtschaft sich nicht groß von Deutschland unterscheidet, fällt jedoch die starke weibliche Besetzung in der öffentlichen Verwaltung und Justiz auf, wo mittlerweile die Frauen überwiegen. Sie besetzen 57 Prozent aller Richterämter. Bei den Staatsanwälten machen sie knapp 40 Prozent aus. Das ist wesentlich mehr als in Großbritannien oder Deutschland. Wie progressiv das als Macholand bekannte Spanien ist, zeigt auch, dass gerade mit María Emilia Casas eine Frau dem nationalen Verfassungsgericht vorsteht.

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