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Wer immer nur im Urlaub krank wird

Es ist wie verhext: Die Koffer sind gepackt, die Familie freut sich auf den Urlaub. Doch dann treten pünktlich Grippe-Symptome auf. „Leisure sickness“ nennen Mediziner das Phänomen, das meist Führungskräfte erwischt. Drei Prozent der Bevölkerung leiden, so ergibt eine Untersuchung der Universität Tilburg in den Niederlanden, unter der so genannten Freizeitkrankheit.

HB DÜSSELDORF. Vor allem die Männer unter den fast 2 000 Befragten verspüren Symptome wie Müdigkeit und Gliederschmerzen, wenn die Spannung des Arbeitsalltags von ihnen abfällt.

Der verantwortliche Professor und Psychologe, Adrian Vingerhoets, kennt das Problem selbst: „Wenn ich krank werde, dann am Wochenende oder zu Weihnachten.“ Seine Erkenntnis: Den Betroffenen fällt es schwerer als anderen, abzuschalten und von Aufgaben abzulassen. Auch Thomas Wedrich, Sprecher des Krankenversicherers Deutscher Ring in Hamburg, weiß: „Es sind Leute, die ständig ihre zehn bis zwölf Stunden machen und sich sehr mit dem Job identifizieren.“

Also besonders Manager. Sie müssen ein hohes Pensum bewältigen, meist unter Zeitdruck, und dabei ständig mit anderen kontakten. „80 Prozent der Arbeitszeit bei Managern ist Interaktionszeit“, sagt Klaus-Helmut Schmidt vom Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund. In dieser Zeit ist Emotionskontrolle gefragt, Widersprüche stauen sich auf.

Wenn ein Mensch jahrelang unter derartiger Daueranspannung lebt, gewöhnt sich sein Körper an diesen Zustand, erklären Mediziner. Jede Erholungsphase wird dann zur Belastung. Gefährdet sind vor allem Menschen, die sich für alles verantwortlich fühlen und sehr hohe Ansprüche an sich selber stellen.

„Für Menschen, die lange Zeit unter Daueranspannung leben und arbeiten, geht der natürliche Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, der gesunde Rhythmus, verloren. Für diese bedeutet dann die Freizeit einen besonderen Stressfaktor, auf den der Organismus dann mit Symptomen reagiert“, sagt Karin Schreiner-Kürten, Diplom-Psychologin beim AOK-Bundesverband. Der Betroffene fühle sich dann krank. Bezeichnenderweise kommt es nicht in den Belastungsspitzen, sondern nachts oder im Urlaub zu den meisten Herzinfarkten.

Die beste Vorbeugung ist ein bewusster Wechsel zwischen Anspannungs- und Entspannungsphase, erklärt die AOK-Expertin. Sie rät: „Täglich zwischen dem Leistungsbereich und dem Auftanken abwechseln.“ Und wenn es autogenes Training ist, das die Fähigkeit zu entspannen wieder erlernen lässt.

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