Wettbewerb auf dem Stellenmarkt
Vorsicht bei Kontakt mit Headhuntern

Manchen Chefs geht das heimliche Getuschel ihrer Angestellten am Telefonhörer mit Headhuntern gründlich gegen den Strich. Doch Ärger ist das eine und rechtliche Schritte dagegen sind das andere. Wann Unternehmer gegen Abwerbungsversuche allerdings juristisch vorgehen können, hat der Bundesgerichtshof (BGH) in drei Entscheidungen geklärt. Essenz der Urteile: Knappe, einmalige Interessensabfragen von Personalberatern sind auch während der Arbeitszeit erlaubt; darüber hinausgehende Umgarnungsversuche am Bürotelefon sind wettbewerbswidrig.

DÜSSELDORF. Licht ins Dunkel des bis dato in Rechtsprechung und Literatur umstrittenen Headhunter-Rechts brachte der BGH durch eine Grundsatzentscheidung aus dem Jahr 2004. In dem Fall hatte ein Personalberater die Projektleiterin eines deutschen Soft- und Hardwareunternehmens an deren Arbeitsplatz angerufen und ihr eine Stelle bei einer ausländischen Konkurrenzfirma angeboten. Der Arbeitgeber bekam Wind von der Sache und zog mit einer Unterlassungsklage gegen den Headhunter vor Gericht. Zunächst war ihm damit kein Erfolg vergönnt. Das Landgericht Mannheim sowie das Oberlandesgericht Karlsruhe vertraten die Ansicht, Anrufe wie diese entsprächen dem Karriereinteresse von Führungskräften; da der Betriebsablauf zudem kaum gestört werde, müssten die betroffenen Unternehmen dergleichen Anrufe hinnehmen.

Das sah der BGH anders. Das Abwerben fremder Mitarbeiter sei als Teil des freien Wettbewerbs zwar grundsätzlich erlaubt; gleichzeitig überlagerten sich jedoch bei allen Beteiligten - dem betroffenen Unter-nehmen, dem umworbenen Mitarbeiter und dem Personalberater - verfassungsrechtlich geschützte Grundfreiheiten. Der BGB löst das Interessengeflecht mit drehbuchhafter Präzision: Nach der Vorstellung der eigenen Person und der Mitteilung des Zwecks des Telefonats müsse der Headhunter fragen, ob der Angerufene mit der Kontaktaufnahme als solcher und zu diesem Zeitpunkt - also während der Arbeitszeit - einverstanden sei; wenn beide Fragen mit "Ja" beantwortet würden, dürfe die angebotene neue Stelle "knapp" umschrieben werden; falls der Befragte an dem Angebot interessiert sei, müsse der Personalberater eine Fortsetzung des Gesprächs außerhalb des Arbeitsbereichs vereinbaren.

Bei der Frage, wie lange eine solche erste Kontaktaufnahme dauern dürfe, wollte sich der BGH nicht auf Sekunden festlegen. Aus der Beschränkung auf das Wesentliche leiteten die Richter jedoch eine Faustregel ab: Eine "wenige Minuten überschreitende Gesprächsdauer" sei ein Indiz, dass der erste Kontakt "in wettbewerbswidriger Weise, insbesondere zu einem unzulässigen Umwerben des Angerufenen" missbraucht worden sei (BGH, I ZR 221/01).

Zwei Jahre später, im Februar 2006, hatte der BGH die Möglichkeit, sein Grundsatzurteil zu bekräftigen und weiterzuentwickeln. In dem Fall hatte ein Röhrenhändler aus Sachsen einen Headhunter beauftragt, drei Vertriebsmitarbeiter eines Wettbewerbers abspenstig zu machen. Zwei Angestellte wurden während der Geschäftszeiten auf einem Betriebshandy angerufen, ein anderer wurde im Büro via Festnetzanschluss befragt. Das betroffene Unternehmen erstritt in den ersten beiden Instanzen ein Unterlassungsurteil. Da der Personalberater die Mitarbeiter ohne weiteres auch zu Hause kontaktieren könne, seien entsprechende Telefonate am Arbeitsplatz schlicht unzulässig - so die Gerichte.

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