Wirtschaftsethik
Der Kick des Geldes

Moral versus Unternehmensrealität: Viele Manager glauben, dass ihr Unternehmen, geben sie der Moral Vorzug, Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen muss. Wie Dozenten der Wirtschafts- und Unternehmensethik mit ihrer Lehre versuchen, Schwarz-Weiß-Denken vorzubeugen und Studierende von der Relevanz ihres Faches zu überzeugen.

DÜSSELDORF. Datenschutzverstöße, Schmiergeldzahlungen, Stellenabbau oder die aktuelle Finanzkrise: Wenn in der Wirtschaft etwas schiefläuft, gilt die rücksichtslose Gier der Manager – und damit die Profitsucht der Unternehmen – als Quelle allen Übels. Bei Schlagzeilen wie „Spitzelskandale bei Bahn und Telekom“ oder „Siemens versinkt im Korruptionssumpf“ wird der öffentliche Ruf lauter, Manager in die gesellschaftliche Verantwortung zu nehmen.

Die Folge: Viele Unternehmen sehen ihr Geschäft und ihre Attraktivität als Arbeitgeber gefährdet und widmen sich verstärkt dem Wertemanagement. Die Agentur Wertikale aus Berlin berät Unternehmen wie Deutsche Bahn, Eon oder EnBW bei der Entwicklung und Implementierung interner Leitbilder. „Vor allem große Konzerne kommen bei der praktischen Umsetzung ihrer Werte nicht weiter. Die Manager wissen nicht, wie sie jeden einzelnen Mitarbeiter erreichen können“, weiß Geschäftsführerin Daniela Budach. Manche Unternehmen hätten zwar schon spezielle Abteilungen eingerichtet, aber die meisten würden beim Thema Wertemanagement auf externe Dienstleister zurückgreifen. Die 29-Jährige hat selbst Wirtschaft studiert und ist während ihrer Ausbildung kaum mit dem Thema Ethik oder Werte in Berührung gekommen. „Viele fordern den Managern in der Praxis Themen ab, mit denen sie während des Studiums nie konfrontiert wurden“, sagt sie.

Mittlerweile erkennen immer mehr Manager von morgen – Studenten von BWL, VWL und Wirtschaftswissenschaften – die Bedeutung dieser Thematik. „Die Zahl der Studenten, die sich für ethische Fragen interessieren, steigt. Zum einen wegen diverser Skandale. Zum anderen, weil sie merken, dass die Unternehmen dem Thema eine größere Bedeutung beimessen“, sagt Ingo Pies, Professor am Lehrstuhl für Wirtschaftsethik der Universität Halle-Wittenberg. Das Fach Ethik zählt in Deutschland zwar nicht zum Mainstream der Managementausbildung, trotzdem können Studenten an einer Reihe von deutschen Universitäten an Veranstaltungen zur Wirtschafts- und Unternehmensethik teilnehmen.

Für Peter von Blomberg, Vorstandsmitglied der Nichtregierungsorganisation Transparency International Deutschland, die Korruption bekämpft, ist das ein richtiger Ansatz. Er verlangt: „Relevante Werte für Manager können und müssen in allen Phasen der Ausbildung vermittelt werden.“ Das sehen BWL-Professoren weltweit laut einer Umfrage der Leibniz Universität Hannover ähnlich. Von den knapp 1 750 Befragten möchte die große Mehrheit der Hochschullehrer aus 18 Ländern ihren Studenten nicht nur Fachwissen mit auf den Weg geben, sondern vor allem auch bestimmte Werte.

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