Wirtschaftsethik
Viele Hochschulen fördern die Sozialkompetenz ihrer Studenten

Gewinn und Gewissen müssen kein Widerspruch sein. Studenten sollten früh lernen, wie sie als Unternehmen nicht trotz, sondern durch Wirtschaftsethik im Wettbewerb Erfolg haben. Immer mehr Universitäten erheben Veranstaltungen über Ethik zur Pflicht – gerade auch für angehende Manager.
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DÜSSELDORF. Weihnachten ist jetzt, in den Semestferien, noch weit weg. Doch André Tonollo weiß bereits, wo er dann wieder sein wird: an einem Glühweinstand auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt. Dort wird der Betriebswirtschaftsstudent der Privaten Fachhochschule Göttingen (PFH) mit Kommilitonen Glühwein und Kuchen verkaufen. Der Erlös geht wie im vergangenen Jahr an das Hilfsprojekt Göttinger Tafel.

Die Spendenaktion der Göttinger Studierenden ist Teil der Initiative „Beyond University“, die vor drei Jahren ins Leben gerufen wurde. Sie fasst soziale und politische Projekte unter einem Dach zusammen, Spendenmarathons ebenso wie Diskussionsrunden. Die Projekte verbindet, dass sie von Studierenden organisiert werden, so PFH-Präsident Bernt R. A. Sierke. Die Hochschule will Manager mit Persönlichkeit auszubilden. „Wir wollen keine ökonomischen Zinnsoldaten, sondern junge Leute mit Verständnis für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite stehen“, erklärt Sierke.

An der PFH gibt es den mit 1 000 Euro dotierten „Behaviour Award“, mit dem einzelne Studierende oder studentische Initiativen ausgezeichnet werden, die nicht nur durch Leistung im Studium glänzen, sondern auch durch ethisch verantwortliches Handeln. „Gerade beim betriebswirtschaftlichen Studium ist es wichtig, sich sozial zu engagieren, um nicht an Bodenhaftung zu verlieren“, sagt BWL-Student André Tonollo.

Die Persönlichkeitsbildung angehender Betriebswirte spiegelt sich auch im Curriculum wieder. Neben den Fachvorlesungen belegen die Bachelorstudenten Pflichtveranstaltungen zum Thema Corporate Social Responsibility. Im Masterstudium stehen unter anderem Lehrveranstaltungen in den Bereichen Leadership und Sozialkompetenz auf dem Programm. In der Gründungsphase der PFH Mitte der 90er habe man sich mit diesem Themenspektrum von anderen, insbesondere den staatlichen Hochschulen abgrenzen wollen, sagt PFH-Präsident Sierke.

Inzwischen erkennen auch viele andere Hochschulen, darunter gerade Fachhochschulen, dass man den Studierenden mehr als das reine Fachwissen mit auf den Weg geben muss, beobachtet Dominik Enste, Wirtschaftsethiker im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. In den vergangenen fünf Jahren habe das Interesse der Hochschulen an wirtschaftsethischen Fragen sprunghaft zugenommen. Eigene Lehrstühle für Wirtschaftsethik gibt es nach seiner Schätzung allerdings erst an rund zwei Dutzend Hochschulen. Dabei müsse „Wirtschaftsethik in betriebwirtschaftlichen Studiengängen eigentlich obligatorisch für alle Studierenden sein“, sagt Enste.

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